21
„Uns mäht niemand, und niemand fährt uns in die Scheune“,sagte der Löwenzahn und schüttelte seinen Kopf, aber ganz vor-sichtig, damit der Samen nicht vor der Zeit ausfiele. „Was solldoch aus allen unsern Kindern werden?"
„Ich bekomme Kopfschmerzen, wenn ich daran denke", sagteder Mohn. „Da stehe ich nun und habe zu Hunderten Samen-körner im Kopf und weiß nicht, wohin ich sie legen soll."
„Fragen wir doch einmal den Roggen um Rat“, meintedie Klette.
Und dann fragten sie den Roggen, was sie tun sollten.
„Wenn man seine Angelegenheit in Ordnung hat“, antwor-tete der Roggen, „soll man sich nicht in anderer Leute Sachenmischen. Ich rate euch nur das eine: paßt auf, daß ihr euerndummen Samen nicht auf den Acker werft; sonst bekommt ihres mit mir zu tun.“
Dieser Rat konnte nun natürlich dem Unkraut nichts nützen,und sie dachten den lieben langen Tag darüber nach, was sieanfangen sollten. Als die Sonne unterging, schlössen sie ihreBlätter, um zu schlafen; die ganze Nacht aber träumten sie vonihrem Samen, und am nächsten Morgen hatten sie Rat gefunden.
Der Mohn erwachte zuerst.
Vorsichtig öffnete er oben im Kopfe einige Klappen, damitdie Sonne direkt auf den Samen scheinen konnte. Dann riefer den Morgenwind, der spielend den Rain entlang lief. „LieberWind“, sagte er freundlich. „Willst du mir einen Dienst erweisen?“
„Gern", antwortete der Wind. „Ich möchte ganz gern irgendetwas unternehmen.“
„Es handelt sich nur um eine Kleinigkeit“, fuhr der Mohnfort. „Schüttle nur, bitte, meinen Stiel recht ordentlich, damitmein Same aus den Klappen herausfällt."
„Machen wir!" rief der Wind. Und der Same flog nach allenHimmelsrichtungen.
Der Stiel brach zwar dabei, daran kehrte sich aber derMohn nicht weiter. Wenn man seine Kinder gut versorgt hat,hat man ja eigentlich hier auf Erden nichts mehr zu tun.
„Leb' wohl", sagte der Wind und eilte weiter.
„Warte noch einen Augenblick,“ rief ihm der Mohn nach.„Versprich mir noch, daß du es den andern nicht verraten willst.