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Lesebuch für die 5. Klasse der Primarschulen des Kantons Schaffhausen / im Auftr. der kant. Lehrmittelkommission zusammengest. von G. Kugler ; [6 Federzeichn. von Aug. Schmid]
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zu Ende. Die Röhren werden verstopft, dicke Korkwände sindeingeschoben worden, der Zusammenhang der Pflanze mit demBlatt ist unterbrochen. Äußerlich merkt man nichts mehr, alsdaß das Blatt langsam vertrocknet. Dem Baum ist es nun gleich-gültig, ob sein Blätterkleid ihn noch schmückt. Der Herbststurmmag es verwehen, der Frost der kalten Novembernächte magden letzten Halt der Blätter lockern und sie zu Hunderten nie-dersinken lassen.

Muß es sich doch auch der ganze Baum gefallen lassen,daß ihm das Wasser abgesperrt wird, einfach dadurch, daß dasWasser im Boden gefriert. Aber die Pflanze war vorbereitetdarauf und der ganze Haushalt rechtzeitig darauf eingerichtet.Das Leben des Baumes hat jetzt eine gewisse Ähnlichkeit mitdem der Tiere, die ihren Winterschlaf halten. Wenn sich derBär oder die Murmeltiere im Winter verkriechen, sind sie nachden leckeren Mahlzeiten des reichen Herbstes fett und nehmenin den Winterschlaf ein wohlgefülltes Ränzlein mit, von demsie zehren.

Wenn der Hamster seinen Winterbau verschließt, hat erihn gefüllt mit eingetragenen mehligen Körnern aller Art, undsie helfen ihm über die langen Winterwochen hinweg. Genauso machen es unsere Bäume im Winter auch. Die einen zehrenaus dem Fettvorrat, den sie in guten Tagen anlegten, die an-dern aus einem Stärkemehlmagazin, das sie im Sommer füllten.In Mark und Rinde werden in den letzten schönen Tagen desJahres, wenn die Wolken alle südwärts wandern, emsig alleStoffe aus den Blättern zurückgeschafft, zu Fett und Stärkeumgewandelt und abgelagert, dabei aber auch das neue Lebenim Frühling vorbereitet.

Man blickt im Spätherbst in das Innere eines solchen Stärke-baumes hinein, wie in die Kammern eines Getreidespeichers. Diekleinen Zellen sind vollgespickt mit rundlichen Stärkekörnchen.Wie winzige Mehlsäcke sind sie aufgespeichert. Man hat die-sen Reichtum des Herbstwaldes bisher ganz unausgebeutet ge-lassen. Nur eine einzige Baumart versorgt unseren Tisch mitihrem Stärkereichtum, das sind die Sagopalmen, deren Markso voll Stärke ist, daß ein etwa dreißigjähriger Baum an dreiDoppelzentner Mehl liefert.