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Lesebuch für die 5. Klasse der Primarschulen des Kantons Schaffhausen / im Auftr. der kant. Lehrmittelkommission zusammengest. von G. Kugler ; [6 Federzeichn. von Aug. Schmid]
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Diese Rede beschwerte dem Stauffacher das Herz; er warunmutig und hatte keine Freude mehr an seinem schönen Hausund Besitz. Wie nun seine Frau, die ein kluges und trefflichesWeib war, seinen Kummer sah und die Ursache vernahm, sprachsie zu ihm:Du weißt, wie mancher fromme Mann in unsermLande über des Landoogts Wüterei klagt; so zweifle nicht, daßauch in Uri und Unterwalden das tyrannische Joch viele wackereMänner drückt! Darum wäre gut und vonnöten, daß euer etliche,die einander vertrauen dürfen, heimlich zu Rate gingen, wieihr der übermütigen Gewalt frei kommen möchtet. Gott würdeeuch ohne Zweifel nicht verlassen und euch helfen, die unbilligeGewalt zu bändigen, so wir ihn von Herzen anrufen." Damachte sich der Stauffacher sogleich auf und begab sich nach Urizu einem angesehenen Landmanne, namens Walther Fürst, derihm ein treuer und vertrauter Gastsreund war, um sich mit ihmüber die Not des Landes zu besprechen. Hier traf er den jungenArnold von Melchthal, der an nichts anderes dachte, als wieer für die Greueltat, die der Landenberger an seinem frommenVater verübt hatte, Rache und Vergeltung nehmen könnte.

Wie nun die drei Männer aus den drei Landen so zusammenwaren, meinten sie, es sei besser, zu sterben, als ein so schmäh-liches Joch länger zu tragen. Da schwuren sie sich, mit GottesHilfe einen Bund zur Befreiung des Schweizervolkes zustandezu bringen; jeder sollte in seinem Lande seine Blutsfreundeund andere vertraute Männer heimlich dafür werben. Dies ge-schah, und in einer Herbstnacht des Jahres 1307 kamen allediese Landleute, etwa dreißig an der Zahl, auf dem Rütli, einerbaumumkränzten Bergwiese am Vierwaldstättersee, zusammen.Sie hoben ihre Augen zu den Sternen aus, reichten sich dieHände und schwuren einen heiligen Eid, daß sie Leib und Lebendaran setzen wollten, ihre alte Freiheit wiederzuerwerben unddie tyrannischen Landvögte zu vertreiben. Da aber die festenSchlösser unbezwinglich schienen, so beschloß man, die Sache biszum Neujahrstage aufzuschieben, wo die Sitte, dem Vogt aufseiner Burg ein gutes Jahr zu wünschen, bequeme Gelegenheitzur Ausführung des Anschlages bieten würde.

Einige Zeit danach, es war Sonntag, der 18. des Winter-monats, ging ein redlicher, frommer Landmann aus Uri, Wil-helm Dell genannt, zu Altdorf an dem aufgehängten Hut vorüber,