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quem mit im Sack tragen, wie heute, ohne sich das Beinkleidzu verbrennen. Es mußte mit harten Schlägen aus Steinen heraus-getrieben werden; es mußte, kaum geboren, mit Zunder gefüttertwerden und bedurfte langer Zeit, bis es sich in demselben so-weit kräftigte, daß es einen gröberen Köder anbiß und flüggewurde. Das Feuer mußte zum Dienste des Menschen jedesmalförmlich erzogen werden. Es war ein mühsam und heikel StückArbeit; beim Feuermachen konnte meine so milde Mutter un-wirsch werden. Die Glut, des Abends noch so sorgsam in derHerdgrube verwahrt, war des Morgens zumeist erloschen. Wassich die Mutter auch mühte, den Funken in der Asche wiederanzublasen — alles vergebens, das Feuer war gestorben überNacht. Nun ging die Schlägerei mit Stein und Stahl an, und wirKinder waren oft schon recht hungrig, bevor die Mutter dasFeuer zuweg brachte, welches uns die Morgensuppe kochensollte.
So auch am Morgen von des Vetters Namenstag. Wir hat-ten draußen in der Küche wohl eine Weile das Fauchen undFeuerschlagen gehört; dann aber rief die Mutter plötzlich aus:„'S ist gar umsonst! 's ist, wie wenn der bös' Feind in die Herd-gruben hätt’ gespuckt. Und der Stein hat keinen Funken Feuermehr in sich, und der Schwamm ist feucht, und die Leut' war-ten auf die Suppe!“ Dann kam sie in die Stube und sagte:„Geh, Peterle, ruck, und lauf geschwind zu der Knierutscherinhinüber! Ich tät sie gar schön von Herzen bitten, sie wollt' mirein Haferl Glut schicken von ihrem Herd. Und trag ihr da-für da den Brotlaib mit! Geh, Peterle, ruck, daß wir nachher eineSuppe kriegen 1“
Ich hatte mein weißes Linnenhöselein gleich an, und wieich war, barfuß, barhaupt, nahm ich den runden, recht gewich-tigen Brotlaib unter den Arm und lief gegen das Knierutscher-haus. „Du, Sonnenschein", sagte ich unterwegs, „schäm' dich!du kannst nicht einmal ein Süpplein wärmen. Jetzt muß ich zuder Knierutscherin um Feuer gehen. Aber wart’ nur! wird baldlustig sein auf unserem Herd; die Flammen werden aufhüpfenüber das Holz, die Mauer wird rot leuchten, die Töpfe werdenbrodeln, der Rauch wird unter den Feuerhut hinaussprudeln undden Rauchfang hinauf und wird dich verdecken. Recht hat er,wenn er dich verdeckt; dann essen wir die Suppen und den Sterz