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dem Rauchfange bereits einen blauen Dunst hervorsteigen. „Dichsoll man um den Tod schicken und nicht um Feuer!“ rief dieMutter, als ich eintrat; dabei wirtete sie um das lustige Herd-feuer herum und sah mich gar nicht an. Meine kaum mehr kni-sternden Kohlen waren so armselig gegen dieses Feuer. Ich stellteden Topf betrübt in einen Winkel des Herdes und schlich davon.Ich war viel zu lange ausgewesen; da war zum Glück der VetterJok von der Talweide heimgekommen, und der hatte ein Brenn-glas, das er in der Sonne über einen Zunder hielt, bis derselbeglimmte. Und jetzt war mir die verlästerte Sonne doch noch zu-vorgekommen mit dem Suppenfeuer I Ich war sehr beschämt undvermag es heute noch nicht, der Wohltäterin offen in das An-gesicht zu blicken.
Ich schlich auf den Hausanger. Dort sah ich den Vetterkauern in seinem langen, grauen, rotverblümten Pelz und mitseinem weißen Haupt. Und als ich näher kam, da sah ich, war-um er hier so kauerte. Das schneeweiße Zicklein lag vor ihmund streckte seinen Kopf und seine Füße von sich, und der VetterJok zog ihm die Haut ab. Sogleich hub ich laut zu weinen an.Der Vetter erhob sich, nahm mich bei der Hand und sagte: „Daliegt es und schaut dich an!“ Und das Zicklein starrte mir mitseinen verglasten Augen wirklich schnurgerade in das Gesicht.Und doch war es tot.
„Peterle!" lispelte der Vetter ernsthaft, „die Mutterhat der Knierutscherin einen Brotlaib geschickt.“ „Ja“,schluchzte ich, „und der ist mir davongegangen, hinab über dieLehnten!" — „Weil du's eingestehst, Bübel", sagte der VetterJok, „so will ich die Sach' schon machen, daß dir nichts ge-schieht. Ich hab' zu der Mutter gesagt, ein Stein oder sowaswär’ herabgefahren und hätt' das Zicklein erschlagen. Hab'mir's im Geheimen gleich gedacht, das Peterle steckt dahinter.Dein Brotlaib ist schier in den Lüften dahergekommen, niederüber den hohen Rain, an mir vorbei dem Zicklein zu, hat esjust am Kopf getroffen; ist das Dingelchen hingetorkelt und gleichmaustot gewesen. — Aber fürcht' dich nicht, es bleibt beim Stein.Mit der Knierutscherin werd ich s auch abmachen; und jetzt seistill, Bübel, und zerr' mir das Gesicht nicht so garstig ausein-ander! Auf die Nacht essen wir das Tierlein, und die Mutterkocht uns eine Krenfisuppe dazu.“