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störrisch, besonders wenn er roh behandelt wird. Als genüg-sames und sicher schreitendes Lasttier leistet er namentlich in denBerggegenden große Dienste.
2. Die Ziege.
Manche Haushaltung, die zu wenig Futter hat, eine Kuhzu ernähren, begnügt sich mit einer Ziege. Diese ist ein gutesMilchtier. Ihre Milch ist kräftiger und fetter als die Kuh-milch, hat aber oft einen unangenehmen Beigeschmack. Zwei guteZiegen geben fast das ganze Jahr genug Milch für eine kleineHaushaltung.
Die Ziege erträgt die Winterkälte nicht leicht. Sie istmeistens nur mit straffen Haaren bekleidet, welche sie gegen dieKälte wenig schützen. Deshalb sieht man häufig an ärmlichenHütten die Ränder der Stalltüre mit Strohgeflecht bekleidet.
Die Zicklein sind schwächliche, aber gar possierliche Tiere.Sie müssen in den ersten Lebenstagen sorgfältig behandelt undvor Kälte geschützt werden.. Wenn sie gut gedeihen, machen sieden Kindern viel Freude. Sie hüpfen in Stube und Hausgangheruni, fresfen aus der Hand und treiben allerlei Mutwillen.
In vielen Dörfern des Jura konimen die Ziegen in großerZahl vor. Sobald der Frühling die ersten jungen Blätter undGräser hervorgetrieben hat, mustert der Geißhirt seine Berg-schuhe, seine lange Geißel und sein Hirtenhorn. In der Morgen-frühe läßt er zu unterst im Dorf sein Horn erschallen. Auf diesesZeichen öffnen sich die engen Ställe; die Geißen hüpfen heraus,schnobern mit Gier in der frischen Luft und lassen sich gernedorfauf treiben. Immer zahlreicher wird die Herde; die Schellenund Glöcklein bimmeln lustig durch einander, und zu oberst inrDorf hat der Hirt 80 bis 100 Geißen vor sich und treibt sieauf die Allmende. Da wachsen mancherlei duftende Kräuterund herrenloses Buschwerk, an dem die Geißen gerne naschen.Sie fressen aber lieber die frischen Triebe an holzartigen Ge-wächsen als das Gras auf dem Boden. Gar leicht und sicherklettern die Ziegen mit ihren schmalen und gespaltenen Hufenan den steilen Felswänden enrpor. Jede möchte das Beste haben.Mit den gebogenen Hörnern setzen sich die zanksüchtigen Tiere