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5. Ein Gewitter.
Es war merkwürdig am Himmel; drei, vier große Wetter standenam Horizonte, eines drohender als das andere; feurig war ihr Schoß,schwarz und weiß gestreift ihr Angesicht, als ob mit der Nacht derTod sich gatte; dumpf toste es. „Dort geht es bös, dort hagelt’s“, sagteUli halblaut für sich; „wie angenagelt steht das Wetter; dort hageltes fast alle Jahre; da möchte ich nicht wohnen; hier durch kommensolche Wetter nicht; der Wirt hat recht. Joggeli hat gesagt, als erdie ersten Hosen getragen, da habe es einmal gehagelt; er möge sichnoch gar wohl daran erinnern, seither nie mehr, daß es der Rede wert.“Indessen schneller wurden ihm unwillkürlich seine Schritte; langsamrückten auch die Wetter herauf am Horizonte, zogen sich rechts, zogensich links, feindlichen Armeen gleich, die sich bald in der Front, baldin den Flanken bedrohen, es ungewiß lassend, ob und wo sie zusammen-stoßen. Das gefährlichste der Wetter zog seinen gewohnten Weg, oben-ein; da kam von dort her ein ander Gewitter rasch ihm entgegen,stellte dessen Lauf, drängte es ah von seiner Bahn. Gewaltig war derStreit; schaurig wirbelten die Wolken; zornig schleuderten sie einanderihre Blitze zu. Wie zwei Ringer einander drängen auf dem Ringplatzeringsum, bald hierhin, bald dorthin, so rangen die Gewitter am Himmel,rangen höher und höher am Horizonte sich herauf, und je wilder es amHimmel war, desto lautloser war es über der Erde. Kein Vogel strichmehr durch die Luft; bloß ein Lämmlein schrie in der Ferne. Uliward es bang. „Das kommt bös“, sagte er; „ich habe es noch nie sogesehen. Da ist ein großer Zorn am Himmel; wenn ich nur daheimwäre! Hageln wird es, so Gott will, nicht; es ist mir wegen dem Ein-schlagen ; es ließe mir niemand das Vieh heraus. In einer guten Viertel-stunde zwinge ich’s.“ Wie er das für sich selber sagte, ward er scharfauf eine Hand getroffen. Er zuckte zusammen, sah um sich, sah ein-zelne Hagelsteine aufschlagen, auf die Straße durch die Bäume zwicken,nur hie und da einen, ganz trocken, ohne Regen; aber wie große Hasel-nüsse waren die Steine. „Es wird doch nicht sein sollen!“ dachte Uli,und sein Herz zog sich zusammen, daß das Blut nicht Platz hatte darin,dessen Wände zu zersprengen drohte. Es hörte wieder auf. Uli dachte:„Gottlob, es wird nicht sein sollen; böser hätte es nie gehen können alsgerade jetzt, so kurz vor der Ernte, und jetzt bin ich so viel als daheim.“Uli stand auf einem kleinen Vorsprang, wo der Weg zur „Glungge“abging und das ganze Gut sichtbar vor ihm lag; da zwickte ihn wiederetwas und zwar mitten ins Gesicht, daß er hoch auffuhr; ein großer Hagel-stein lag zu seinen Füßen. Und plötzlich brach der schwarze Wolkenschoß ;vorn Himmel prasselten die Hagelmassen zur Erde. Schwarz war die Luft,betäubend, sinnverwirrend das Getöse, das den Donner verschlang. Uli