Buch 
Lesebuch für die Oberklassen der Primarschulen (das 6., 7. und 8. Schuljahr) des Kantons Solothurn / bearb. im Auftr. des Erziehungs-Departementes des Kantons Solothurn durch die kantonale Lehrmittelkommission
Entstehung
Seite
8
JPEG-Download
 

8

Sie wird erst mit dem Strom und schwindet,so wie des Wassers Flut versiegt.

So sprich, wo sich die Brücke findet,

und wer sie künstlich hat gefügt! Friedrich Schiller.

7. Der fromme Bauersmann.

Der Sonntag kam am Himmel herauf, hell, klar, wunderschön.Die dunkelgrünen Gräslein hatten mit demantenen Kränzlein ihreStirne geschmückt und funkelten und dufteten als süße Bräutlein inGottes unermeßlichem Tempel. Tausend Finken, tausend Amseln,tausend Lerchen sangen ihre Sonntagslieder; weißbärtig, ernst undfeierlich, aber mit den Rosen der Jugend auf den gefurchten Wangen,sahen die alten Berge als Zeugen auf die Sänger nieder, und alsPriesterin Gottes erhob sich hoch über alle die goldene Sonne undspendete in funkelnden Strahlen ihren Segen. Der tausendstimmigeGesang und des Landes Herrlichkeit hatten den Bauer früh geweckt,und er wandelte andächtigen Gemütes dem Segen nach, den ihmGott beschert hatte. Er durchschritt das mächtige Gras, stand amüppigen Kornacker still, an den wohlgeordneten Pflanzplätzen, demsanft sich wiegenden Flachse, betrachtete die schwellenden Kirschen, dievon kleiner Frucht starrenden Bäume mit Kernobst, band hier etwasauf und las dort etwas Schädliches ab und freute sich bei allemnicht nur des Preises, den es einst gelten, nicht nur des Gewinnes,den er machen werde, sondern des Herrn, dessen Güte die Erde voll,dessen Herrlichkeit und Weisheit neu sei jeden Morgen. Und er ge-dachte, wie alles Kraut und jedes Tier jetzt den Schöpfer preise, sosollte es auch der Mensch tun, und nicht nur mit dem Munde, son-dern mit seinem ganzen Wesen; wie der Baum in seiner Pracht, wieder Kornacker in seiner Fülle, so der Mensch in seinem Tun undLassen.Gott Lob und Dank!" dachte er;ich und mein Weib undmeine Kinder, wir wollen dem Herrn dienen, und er braucht sichunser nicht zu schämen. Wir sind wohl auch arme Sünder und habennur einen geringen Anfang der Gottseligkeit; aber wir haben dochein Herz zu ihm und vergessen ihn nie einen ganzen Tag lang undessen nichts, trinken nichts, daß wir ihm nicht danken, und nicht nurmit Worten, sondern von Herzensgrund." Aber wenn er gedachte,wie manche ihres Schöpfers so ganz vergessen, so schnöde seine Gabemißbrauchen, so wurde er ganz wehmütig und stand oft und langestill, sinnend, was er wohl tun könnte, daß sie wieder werden eim