selber helfen, wenn ich nur 500 Gulden hülle. Aber woher die nehmen?“„I)a weil! ich Hat“, sagte Pestalozzi, griff in die Tasche und gab ihmdas entlohnte Geld. Es wllre schwor zu sagen, welcher von den beidendein andern beim Abschied die Hand wllriner gedrückt hat.
Aber was sollte nun Pestalozzi anfangen? Er kehrte zu seinemFreunde Fellenberg zurück, erzählte ihm den Vorgang und bat ihndringend um ein neues Darlehen. Fellenberg erschrak. „Das kannnicht sein. Guter Freund, du denkst immer nur an fremde und niean deine eigene Not. Aber sage mir, wie heißt der Mann?“ — „Ichweiß es nicht; aber daß er in schwerem Unglück war, das erkannteich sofort.“
I’estnlozzi wiederholte seine Mitte um ein neues Darlehen dringenderals zuvor, und Fellenberg entsprach. Nur mit Mühe. gelang es ihm,den Hrandbeschfldigten ausfindig zu machen. Er ließ ihn zu sich kommenund sprach zu ihm: „Habt Ihr vor H Tagen auf dem Wege nach HrnggGeld erhalten und wie viel?“ — „da, ich habe 500 Gulden erhalten,die ich mit Gottes Beistand wieder zurückerstatten will.“ — „Wißt Ihr,wer er ist, und wie er heißt, der Mann, der Euch das Geld gegebenhat?“ — „Das weiß ich freilich nicht. Aber eines weiß ich: er sahaus wie ein Straßenräuber und hat ein Herz wie ein Engel im Himmel.“Der Hauer gab eine Handschrift, und der Landvogt erhielt sein Geld wieder.
l’estalozzi starb zu Brugg am 17. Februar 1K27, N1 Jahre alt.Sein Grab ist auf dem Kirchhof zu Birr. Nach Verschiedenen.
38. Die Schuhe und zwei Taler.
Ein junger Engländer von achtzehn bis zwanzig Jahren, derin Lausanne studierte, ging eines Abends mit dem Professor Durand,den man nur den Studentenfreund nannte, in der Umgegend derStadt spazieren. Während sie nun so nebeneinander gingen, sahensie am Wege ein paar kotige Schuhe liegen, die, wie sie vermuteten,einem armen, auf dem nahen Acker arbeitenden Manne gehören mußten.Der Jüngling wandte sich zum Professor mit den Worten: „Wirwollen dem Manne einen Streich spielen, ihm seine Schuhe verbergenund uns dann hinter das nahe Gebüsch verstecken, um ihn zu belauschenund seine Verlegenheit zu sehen, wenn er seine Schuhe nicht mehrfinden wird." „Mein lieber Freund," entgegnete der menschenfreund-liche Professor, „man muß nie aus Unkosten der Armen sich lustigmachen. Dr: bist reich und daher imstande, dir und dem armen Mannezugleich Vergnügen zu bereiten. Lege in jeden Schuh einen Taler,und dann wollen wir uns verbergen!" Der Student gehorchte, undjetzt stellte er sich mit dem Professor hinter das Gebüsch, durch welches