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78. Die alte Waschfrau.
Du siehst geschäftig bei den Linnendie Alte dort mit weißem Haar,die rüstigste der Wäscherinnen,im sechsundsiebenzigsten Jahr.
So hat sie stets mit saurem Schweißihr Brot in Ehi’ und Zucht gegessenund ausgefüllt mit treuem Fleißden Kreis, den Gott ihr zugemessen.
Sie hat in ihren jungen Tagengeliebt, gehofft und sich vermählt;sie hat des Weibes Los getragen;die Sorgen haben nicht gefehlt.
Sie hat den kranken Mann gepflegt;sie hat drei Kinder ihm geboren;sie hat ihn in das Grab gelegtund Glaub’ und Hoffnung nicht verloren.
Da galt’s, die Kinder zu ernähren;sie griff es an mit heiterm Mut;sie zog sie auf in Zucht und Ehren;der Fleiß, die Ordnung sind ihr Gut.Zu suchen ihren Unterhalt,entließ sie segnend ihre Lieben.
So stand sie nun allein und alt;ihr war ihr heitrer Mut geblieben.
Sie hat gespart und hat gesonnenund Flachs gekauft und nachts gewacht,den Flachs zu feinem Garn gesponnen,das Garn dem Weber hingebracht.Der hat’s gewebt zu Leinewand;die Schere brauchte sie, die Nadelund nähte sich mit eigner Handihr Sterbehemde sonder Tadel.
Ihr Hemd, ihrSterbehemd, sie schätzt es,verwahrt’s im Schrein am Ehrenplatz;es ist ihr Erstes und ihr Letztes,ihr Kleinod, ihr ersparter Schatz.
Sie legt es an, des Herren Wortam Sonntag früh sich einzuprägen;dann legt sie’s wohlgefällig fort,bis sie darin zur Ruh’ sie legen.
Und ich, an meinem Abend, wollte,ich hätte, diesem Weibe gleich,erfüllt, was ich erfüllen solltein meinen Grenzen und Bereich;ich wollt’, ich hätte so gewußt,am Kelch des Lebens mich zu laben,und könnt’ am Ende gleiche Lustan meinem Sterbehemde haben.
Adalbert von Chamisso.
79. Der Müller und der König.
König Friedrich II. von Preußen hatte acht Stunden von Berlinein schönes Lustschloß und war gerne darin, wenn nur nicht ganznahe dabei die unruhige Mühle gewesen wäre. Denn erstlich stehenein königliches Schloß und eine Mühle nicht gut neben einander, ob-gleich das Weißbrot auch in dem Schlosse nicht übel schmeckt, wenndie Mühle fein gemahlen und der Ofen wohl gebacken hat. Außer-dem aber, wenn der König in seinen besten Gedanken war und nichtan den Nachbar dachte, auf einmal ließ der Müller seine Mühleklappern und dachte auch nicht an den Herrn Nachbar; die Gedankendes Königs störten zwar das Räderwerk der Mühle nicht, aber manch-mal das Klapperwerk der Räder die Gedanken des Königs. Dergeneigte Leser sagt: „Ein König hat Geld wie Laub; warum kaufter dem Nachbar die Mühle nicht ab und läßt sie niederreißen?"
Der König wußte, warum; denn eines Tages ließ er den Müllerzu sich rufen. „Ihr begreift", sagte er zu ihm, „daß wir zwei nichtneben einander bestehen können. Einer muß weichen. Was gebt Ihr