Buch 
Lesebuch für die Oberklassen der Primarschulen (das 6., 7. und 8. Schuljahr) des Kantons Solothurn / bearb. im Auftr. des Erziehungs-Departementes des Kantons Solothurn durch die kantonale Lehrmittelkommission
Entstehung
Seite
182
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Das wäre der Mühe wert!" erwiderte der Mann.Wenn wir einJahr lang tüchtig arbeiten und etwas Glück haben, so können wirihn vielleicht kaufen." Darauf arbeiteten Mann und Frau ein Jahrlang mit aller Anstrengung, und die Ernte war noch nie so reichlichwie dieses Mal, so daß sie den Zwickel kaufen konnten und nochein Stück Geld übrig blieb.Siehst du," sagte der Mann,wirhaben den Zwickel, und der Wunsch ist immer noch frei!" Da meintedie Frau, es wäre wohl gut, wenn sie sich noch eine Kuh wünschtenund ein Pferd dazu.Frau", entgegnete abermals der Mann, indemer mit dem übriggebliebenen Gelde in der Hosentasche klingelte,waswollen wir wegen solch einer Lumperei unsern Wunsch vergeben?Die Kuh und das Pferd kriegen wir auch so." Und richtig, nachabermals einem Jahre waren die Kuh und das Pferd reichlich ver-dient. Da rieb sich der Mann vergnügt die Hände und sagte:Wie-der ein Jahr den Wunsch gespart und doch alles bekommen, wasman sich wünschte. Was wir für ein Glück haben!" Doch die Frauredete ihrem Manne ernsthaft zu, endlich einmal an den Wunsch zugehen.Ich kenne dich gar nicht mehr", versetzte sie ärgerlich.Früherhast du immer geklagt und gejammert und dir alles Mögliche ge-wünscht, und jetzt, wo du's haben kannst, wie du's willst, plagst undschindest du dich, bist mit allem zufrieden und lässest die schönstenJahre vergehen. König, Kaiser, Graf, ein großer, dicker Bauerkönntest du sein, alle Truhen voll Geld haben und kannst dichnicht entschließen, was du wählen willst!"Laß doch dein ewigesDrängen und Treiben!" erwiderte der Bauer.Wir sind beide nochjung, und das Leben ist lang. Nur ein Wunsch ist in dem Ringe,und der ist bald vertan. Wer weiß, was uns noch einmal zustößt,wo wir den Ring brauchen! Fehlt es uns denn an etwas? Sindwir nicht, seit wir den Ring haben, schon so heraufgekommen, daßsich alle Welt wundert? Also sei verständig! Du kannst dir ja mittler-weile immer überlegen, was wir uns wünschen könnten."

Damit hatte die Sache vorläufig ein Ende. Und es war wirk-lich, als wenn mit den: Ring der volle Segen ins Haus gekommenwäre; denn Scheunen und Kammern wurden von Jahr zu Jahr vollerund voller, und nach einer längeren Reihe von Jahren war aus demkleinen, armen Bauer ein großer, reicher Bauer geworden, der denTag über schaffte und arbeitete, als wollte er die ganze Welt ver-dienen, am Abend aber behäbig und zufrieden vor der Haustüresaß und sich von den Leuten guten Abend wünschen ließ. So ver-