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140. Die Pfeife.
Als icli ein lvnabe von sieben Jahren war, beschenktenmich einst an einem Festtage die Verwandten reichlich mitKupfermünzen. Ich wußte nun nichts Gescheiteres zu thun,als nach einem Kramladen zu laufen, wo man Kinderspiel-zeug verkaufte. Aber schon auf dem Wege dahin begegneteich einem Kameraden. Der blies auf einer Querpfeife solustige Stücklein, daß ich ganz davon bezaubert wurde undihm um all mein bares Geld die Pfeife abkaufte. Vergnügtüber meinen Handel, eilte ich heim und durchzog pfeifenddas ganze Haus. Eine Weile hörten meine Eltern und Ge-schwister die Musik geduldig an; als ihnen aber das Pfeifenverleidete, wollten sie wissen, was ich für das Instrumentbezahlt hätte. Ich sagte ihnen die volle Wahrheit und wurdenun meines ungeschickten Handels wegen gründlich ausge-lacht. Denn die Pfeife sei nicht den vierten Teil dessen wert,was sie gekostet habe, versicherte man mir. Leider konnteich den Handel nicht mehr rückgängig machen; das weg-geworfene Geld reute mich, und als man mir nun auch denSpott nicht sparte, fing ich vor Ärger hellauf zu weinen an.Viel größer als vorher die Freude waren jetzt Reue undVerdruß. Der Handel hatte aber das Gute, daß er einenbleibenden Eindruck bei mir zurückließ, der mir später sehrnützlich wurde; denn so oft ich in Versuchung geriet, etwasUnnötiges zu kaufen, fragte ich mich immer zuerst: „Abergibst du nicht zu viel für deine Pfeife ?“ — und so sparteich mein Geld.
Als ich herangewachsen war, in die Welt eintrat unddas Thun und Treiben der Mönchen beobachtete, da lernte ichmanche kennen, die zu viel für ihre Pfeife bezahlten.
Sah ich einen Ehrgeizigen nach der Gunst der Reichenund Vornehmen jagen; sah ich, wie er seine eigenen Ge-schäfte vernachlässigte, seine guten alten Freunde im Sticheließ, um neue zu gewinnen, dann sagte ich: „Der zahlt zuviel für seine Pfeife!“
Sah ich einen Geizhals, der sich von den Menschen frei-willig absperrte, der sich keine frohe Stunde gönnte, der trotzseiner schönen Mittel keinen Armen, keinen Unglücklichenerfreute und oft hungrig bei seinem vielen Gelde saß, dannsagte ich wieder: „Der zahlt zu viel für seine Pfeife.“