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Lesebuch für die obern Klassen (6., 7. und 8. Schuljahr) der Primarschulen des Kantons Solothurn
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184. Der Reiter und der Bodensee.

Der Reiter reitet durchs helle Thal;aufs Schneefeld schimmert der Sonne Strahl.

Er trabet im Schweiß durch den kalten Schnee;er will noch heut an den Bodensee,

noch heut mit dein Pferd in den sichern Kahn,will drüben landen vor Nacht noch an.

Auf schlimmem Weg, über Dorn und Stein,er saust auf rüstigem Roß feldein.

Aus den Bergen heraus ins ebene Land,da sieht er den Schnee sich dehnen wie Sand.

Weit hinter ihm schwinden Dorf und Stadt;der Weg wird eben, die Bahn wird glatt.

In weiter Fläche kein Bühl, kein Haus;die Bäume gingen, die Felsen aus.

So flieget er hin eine Meil und zwei;er hört in den Lüften der Schneegans Schrei.

Es flattert das Wasserhuhn empor;nicht andern Laut vernimmt sein Ohr.

Keinen Wandersmann sein Auge schaut,der ihm den rechten Pfad vertraut.

Fort gehts wie auf Samt auf dem weichen Schnee.Wann rauscht das Wasser? Wann glänzt der See?

Da bricht der Abend, der frühe, herein;von Lichtern blinket ein ferner Schein.

Es lieht aus dem Nebel sich Baum an Baum,und Hügel schließen den weiten Raum.

Er spürt auf dem Boden Stein und Dorn;dem Rosse gibt er den scharfen Sporn.

Und Hunde hellen empor am Pferd,und es winkt im Dorf ihm der warme Herd.

Willkommen am Fenster, Mägdelein!

An den See, an den See, wie weit mags sein?

Die Maid, sie staunet den Reiter an:

Der See liegt hinter dir und der Kahn!