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23. Graubünden und Tessin
unterhalten einen regen Verkehr mit Italien. Die Tessinersprechen die Sprache Italiens. Wie heißen die vier ThälerGraubündens, wo ebenfalls italienisch gesprochen wird? BeideKantone besitzen die Pracht der Hochgebirgswelt: hohe Berge,bedeckt mit ewigem Schnee, kräuterreiche Weiden, wo dieHerdenglöcklein tönen und Alpenrosen blühen, liebliche Thäler,wo die Traube reift und linde Lüfte an Italien erinnern, Kur-orte, die einen Weltruf genießen, Alpenübergänge, derenkühner Bau unsere Bewunderung erregt. Diese Naturschön-heiten üben alljährlich auf unzählige Touristen ihre Anziehungs-kraft aus. In neuerer Zeit hat die Fremdenindustrie einegroße Bedeutung erlangt. Dagegen sind Bergbau und Fabrik-thätigkeit noch nicht zu lebenskräftiger Entwicklung gekommen.Viele Bündner und Tessiner reisen als Handwerker und Ge-werbsleute hinaus in die weite Welt, erwerben durch Fleißund Sparsamkeit ein Vermögen und kehren dann wieder inihre einsamen Hochthäler zurück, um da ihre letzten Lebens-tage zu verbringen.
Der Kanton Graubünden ist der größte Kanton derSchweiz. Im untern Misox reifen Pfirsiche und Kastanien;auch wird daselbst der Maulbeerbaum gezogen. Das Tavetsch-thal zeichnet sich durch Honigreichtum aus. An den Grenzendes ewigen Schnees weiden zahlreiche Rudel von Gemsen.In den Wildnissen der hohem Regionen kommt noch der Bärvor. Die Hauptstadt C h u r hat einen lebhaften Postverkehr.Posten fahren von hier über zehn verschiedene Berge, zumTeil nach Italien. Über der Stadt erheben sich die ehrwür-dige Kathedrale, das bischöfliche Schloß, das Priesterseminarund die Kantonsschule. In M a 1 a n s und Maien seidwächst ein trefflicher Wein, weil die dortige Gegend durchdie Rätikonkette gegen rauhe Winde geschützt ist. Im Prät-tigau hat die Reformation nicht bloß eine neue Glaubenslehregebracht, sondern auch an die Stelle der romanischen die•deutsche Sprache gesetzt. Wo weist dieses Thal Heilquellenauf? Ilanz ist die höchstgelegene Stadt der Schweiz (zirka300 m höher als Solothurn) und die erste Stadt am Rhein-strom. In Truns, dem „Rütli des Oberlandes“, wurde1424 der „graue Bund“ gestiftet, von welchem der Kanton•den Namen erhielt. In Tamins ist das Schloß Reichenau.Im Domleschg, das 22 Schloßruinen zählt, liegt das schöne