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Lesebuch für die obern Klassen (6., 7. und 8. Schuljahr) der Primarschulen des Kantons Solothurn
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verkündeten Freudenseuer den unblutigen Sieg des Volkes über seineUnterdrücker, und großer Jubel herrschte bei jung und alt über diewieder errungene Freiheit.

Nun wollte sich König Albrecht an den Waldstätten für dasGeschehene rächen. Zu diesem Zwecke sammelte er im Aargau einHeer. Doch ehe er seinen Plan ausführen konnte, wurde er beiWindisch von seinem Steffen Johann von Schwaben mit Hilfeanderer Ritter ermordet.

!>. Die Schlacht am Morgartcn.

Der neue König in Deutschland war den Waldstätten günstiggesinnt; er bestätigte ihre Freiheiten. Leider starb er bald. Esfolgte nun eine doppelte Königswahl. Einige Fürsten wählten Fried-rich von £) |'t e x x e i d), den Sohn Albrechts, und andere Ludwigvon Bayern zum deutschen König. Zwischen beiden brach einKrieg aus. Die Waldstätte hielten es mit Ludwig von Bayern.Dadurch erzürnten sie aber die Österreicher. Gleichzeitig plündertendie Schwyzer aus alter Feindschaft das Kloster Einsiedeln. WeilÖsterreich die Schutzherrschaft darüber besaß, vermehrte dies nochseine Erbitterung. Daher sollten die Waldstätte gezüchtigt und mitGewalt den Österreichern unterworfen werden. Zu diesem Zweckesammelte der kriegerische Herzog Leopold I. von Österreich, derBruder Friedrichs, in Zug ein wohlgerüstetcs Heer von 0000 Mann.Von dort gedachte er über Ägeri und Morgarten ins Land Schwyzeinzufallen.

Die Waldstätte, die den Kriegsplan des Feindes nicht kannten,liefen Gefahr, unversehens überfallen zu werden. Zum Glückehatten sie einen guten Freund. Es war dies der Edelmann Hein-rich von Hünenberg, der auf seinem Schlosse unweit Zugwohnte. Da ihm früher die Waldstätte einen wichtigen Dienst ge-leistet hatten, wünschte er jetzt aus Dankbarkeit das drohende Un-glück von ihnen abzuwenden. Daher schoß er einen Pfeil über dieschwyzerische Letzimauer bei Arth. An demselben war ein Zettelbefestigt, auf welchem die Worte standen:Hütet euch am Mor-garten am Tage vor St. Tthmar!" Fest entschlossen, das köstlicheKleinod der Freiheit bis zum letzten Atemzüge zu verteidigen, be-setzten sofort 1500 Krieger aus den Waldstätten die Höhen vonMorgarten.

Es war am 15. November 1315 , als Herzog Leopold imGlänze der Morgensonne sein stolzes Heer gegen Morgarten hin-an führte. Als dasselbe in den engen Pfad zivischen dem Berg unddem Ägerisce kam, wälzte eine Schar Schwyzer Felsstücke und