Erzählungen und (Gedichte.
1. Pförtners Morgenlied.
Verschwunden ist die finst’re Nacht;die Lerche schlägt; der Tag erwacht;die Sonne kommt mit Prangenam Himmel aufgegangen.
Sie scheint in Königs Prunkgemach;sie scheinet durch des Bettlers Dach,und was in Nacht verborgen war,das macht sie kund und offenbar.
Lob sei dem Herrn und Dank gebracht,der über diesem Haus gewacht;mit seinen heil'gen Scharenuns gnädig wollt’ bewahren.
Wohl mancher schloss die Augen schwerund öffnet sie dem Licht nicht mehr;d’rum freue sich, wer neu belebtden frischen Blick zur Sonn’ erhebt!
Fr. Schiller.
2. Morgengebet.
O wunderbares, tiefes Schweigen!
Wie einsam ist’s noch auf der Welt!
Die Wälder nur sich leise neigen,als ging der Herr durch’s stille Feld.
Ich fühl’ mich recht wie neu geschaffen!
Wo ist die Sorge nun und Not?
Was mich noch gestern wollt’ erschlaffen,ich schäm’ mich dess’ im Morgenrot.
Die Welt mit ihrem Gram und Glückewill ich, ein Pilger, frohbereitbetreten nur wie eine Brückezu dir, Herr, über’m- Strom der Zeit.