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mich bei der Hand, fuhrt mich in das Bureau und sagt zumir: „Lieber Herr Keller! Sie haben für 10,000 Taler Kreditbei mir; wenn Sie aber das Hoppelte brauchen und auch nochmehr, so sagen Sie mir’s nur offen.“ — Ich sage: „Sie irren sich;ich habe nur für 1000 Taler.“ Da sagte er zu mir: „Es bleibtdabei, wie ich schon gesagt habe; Sie sind ein Mann, der zusparen weiss, und heute abend essen Sie ganz allein bei meinerFamilie.“ Und so habe ich’s auch gemacht, und das hat mir nochbesonders gefallen, dass er die Geschichte seiner Frau und seinenKindern nicht erzählt hat, bis ich von Leipzig fort gewesen bin.Er hat wohl gemerkt, dass es mir leid täte, wenn man auch inGüte darüber lachen würde. — So ist’s mir durch die Gelbwurstmöglich geworden, eine der grössten Tuchfabriken anzulegen, undso lange der alte Frege gelebt hat, habe ich jede Messe bei ihmallein zu Nacht gegessen, und da ist immer zuletzt noch Gelb-wurst aufgetragen worden. B. Auerbach.
7. Zwischen Halde und Heerweg.
Im Spritzenhause des Dorfes liegtdes fremden Bettlers erstarrte Leiche;der Förster fand sie im Morgengrau’nam Heerweg unter der grossen Eiche.
Kalt bläst der Wind durch das Ziegeldachund hüllt mit des Schnees weichfallenden Flocken,initleid’ger als Menschen, die nackte Brust,die fahle Stirn und die greisen Locken.
Landstreicher halten die Leichen wacht;der Marder drückt sich unter die Latte;die öden Taschen des toten Kumpansbeschnobert umsonst die enterbte Ratte.
Sein Nachlass hängt an dem Nagel dort;ein Schwarzdornstab mit eiserner Spitze,ein leerer, durchlöcherter Bettelsackund eine vergriffne Soldatenmütze. —
Wer war und woher der fahrende Mann?
Ein Findling, weint’ er an grüner Halde;sein Vater der Sturm, seine Mutter die Nacht,sein Vetter der wilde Vogel im Walde.