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Lehr- und Lesebuch für das achte Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorlage der kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrat des Kantons St. Gallen
Entstehung
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84
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Vorsätze fassen, wie ihr wohl ihre grosse Macht zum Segen an-wenden könnet. Wenn ihr auch später nicht im Palast herrschet» jeder Mensch, der ein grosses Beispiel gibt und ein neues Lichtin seinem Leben entzündet, der sitzt auf einem Königsthron undwird weithin gesehen und hat Macht über die Menschen auchwenns nur ein armer Schuhmacher ist.

Es ist ja wahr, dass auch heute schon mancherlei getanwird, um den ungebändigten Willen und die zügellosen Wünschnzu zähmen und zu beherrschen.

Wohl mancher würde viel darum geben, wenn er Herr werdenkönnte über seine Wildheit das Schlimmste ist nur, dass er nichtweiss, wie man das macht. Wie stark man einen Dampfkesselheizen darf, dass er nicht explodiert und wie viel Dampf manaus dem Ventil hinauslassen muss, damit die Lokomotive schneller-oder langsamer geht, das ist alles genau ausgerechnet und be-obachtet. Aber wie man einen Menschen behandeln muss, damiter nicht explodiert, und wie man sich selber bewachen muss, umdas Gleichgewicht nicht zu verlieren und woran man rechtzeitigmerken kann, dass man in Gefahr ist das alles ist noch garnicht untersucht und bedacht, und wir sind darin noch genau so-kindisch und unerfahren, wie es die Fidschi-Insulaner in der-Wissenschaft der Natur sind.

Ihr kennt gewiss alle die Verse in SchillersLied von derGlocke, wo er spricht von dem Segen der gebändigten Naturkraftund von dem Unheil der entfesselten Elemente:

Wohltätig ist des Feuers Macht,wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht,und was er bildet, was er schafft,das dankt er dieser Himmelskraft;doch furchtbar wird die Himmelskraft,wenn sie der Fesseln sich entrafft,einhertritt auf der eignen Spur,die freie Tochter der Natur.

Das alles gilt nicht nur vorn Feuer in der Natur, sonderstauch vorn Feuer in der Menschenbrust. Wir sehen alle täglich,welche Wunderwerke uns die Natur verrichtet, wenn sie durchVernunft und Voraussicht geleitet wird, und welche Verheerungensie anrichtet, wenn sie sich selbst überlassen wird; aber darandenken wir nicht, was aus unserem Leben Grosses werden könnte,und wie viel glücklicher wir sein würden, wenn wir unseren Be-