94
Gerechtigkeit erwartet nicht vorn König.
Beraubt er nicht des eignen Bruders Kind,und hinterhält ihm sein gerechtes Erbe?
Der Herzog fleht ihn um sein Mütterliches:
Er habe seine Jahre voll, es wäre
nun Zeit, auch Land und Leute zu regieren!
Was ward ihm zum Bescheid? Ein Kränzlein setzt ihmder Kaiser auf: das sei die Zier der Jugend!“
A$uf der Mauer. Ihr habt’s gehört. Recht und Gerechtigkeiterwartet nicht vorn Kaiser! Helft euch selbst!
Reding. Nichts and’res bleibt uns übrig. Nun gebt Rat,wie wir es klug zum frohen Ende leiten!
.Walther Fürst. Abtreiben wollen wir verhassten Zwang;die alten Rechte, wie wir sie ererbtvon unsern Vatern, wollen wir bewahren,nicht ungezügelt nach dem Neuen greifen.
Dem Kaiser bleibe, was des Kaisers ist:
Wer einen Herrn hat, dien’ ihm pfliclitgemäss!
Meier. Ich trage Gut von Österreich zu Lehen.
Walther Fürst. Ihr fahret fort, Östreich die Pflicht zu leisten!
Jost von Weiler. Ich steure an die Herr’n von Rappersweil.
Walther Fürst. Ihr fahret fort, zu zinsen und zu steuern!
Rösselmann. Der grossen Frau zu Zürich bin ich vereidet.
Walther Fürst. Ihr gebt dem Kloster, was des Klosters ist!
Stauffacher. Ich trage keine Lehen, als des Reichs.
Walther Fürst. Was sein muss, das geschehe, doch nicht drüber!Die Vögte wollen wir mit ihren Knechtenverjagen und die festen Schlösser brechen,doch wenn es sein mag, ohne Blut. Es seheder Kaiser, dass wir notgedrungen nurder Ehrfurcht fromme Pflichten abgeworfen.
Und sieht er uns in unsern Schranken bleiben,vielleicht besiegt er staatsklug seinen Zorn;denn bill’ge Furcht erwecket sich ein Volk,das mit dem Schwerte in der Hand sich mässigt.
Reding. Doch lasset hören! Wie vollenden wir’s?
Es hat der Feind die Waffen in der Hand,und nicht fürwahr in Frieden wird er weichen.
Stauffacher. Er wird’s, wenn er in Waffen uns erblickt;wir überraschen ihn, eh’ er sich rüstet.