und fraget nicht nach seinem Schmerz. Hier gehtder sorgenvolle Kaufmann und der leichtgeschürzte Pilger, der andächt’ge Mönch,der düst’re Räuber und der heisre Spielmann,der Säumer mit dem schwerbelad’nen Ross,der ferne herkommt von der Menschen Ländern);denn jede Strasse führt an's End’ der Welt.
Sie alle ziehen ihres Weges fort
an ihr Geschäft, und meines ist — der Mord. (Setzt sich.)
Sonst, wenn der Vater auszog, liebe Kinder,da war ein Freuen, wenn er wiederkam;denn niemals kehrt’ er heim, er bracht’ euch etwas,war’s eine schöne Alpenblume, war’sein selt’ner Vogel oder Ammonshorn,wie es der Wand’rer findet auf den Bergen.
Jetzt geht er einem andern Weid werk nach;am wilden Weg sitzt er mit Mordgedanken;des Feindes Leben ist’s, worauf er lauert.
— Und doch an euch nur denkt er, liebe Kinder,auch jetzt; euch zu verteid’gen, eure holde Unschuldzu schützen vor der Rache des Tyrannen,
will er zum Morde jetzt den Bogen spannen, (steht auf.)
Ich laure auf ein edles Wild. Lässt sich’sder Jäger nicht verdriessen, Tage langumher zu streifen in des Winters Strenge,von Fels zu Fels den Wagesprung zu tun,hinan zu klimmen an den glatten Wänden,wo er sich anleimt mit dem eig’nen Blut
— um ein armselig Grattier zu erjagen:
Hier gilt es einen köstlicheren Preis,
das Herz des Todfeinds, der mich will verderben.
(Man hört von ferne eine heitere Musik, welche sich nähert.)
Mein ganzes Leben lang hab’ ich den Bogengehandhabt, mich geübt nach Schützenregel;ich habe oft geschossen in das Schwarzeund manchen schönen Preis mir heimgebrachtvorn Freudenschiessen: — aber heute will ichden Meisterschuss tun und das Beste mirim ganzen Umkreis des Gebirgs gewinnen.
VIII. Lesebuch.