376
Schwächen und Krankheiten. Von allen Krankheiten aber sind die Nerven-leiden am leichtesten übertragbar. Und da die geringsten Dosen Alkoholunsere Nerven schwächen, ist es die heiligste Aufgabe aller Eltern, mäßigzu sein, ihren Kindern aber gar nie alkoholische Getränke zu reichen. Wersich versündigt, den straft Gott bis ins vierte Geschlecht. Also nüchterneEltern, weihet euer Leben einer kraftvollen Jugend! Eine gesunde Seelein einem starken Körper ist das wertvollste Kapital, das ihr euern Kinderngeben könnt!
4. Ein Paar Einwände und Zahlen.
Der tägliche Verkehr und das gesellschaftliche Leben rufen trotz bessererEinsicht dem Alkvhvlgenuß. Wer nicht mitmacht, wird znm gelindesten indie Reihe der Sonderlinge gestellt. Erhebliche persönliche Nachteile sindoft die Folgen. Mag sein, aber nur dort, wo Roheit und Unverstandnoch das Szepter führen.
Körperlich und geistig vollständig gesunden Personen, denen keinebesondern Pflichten obliegen, kann man gewiß den mäßigen Genuß nichtverivehren. Sie schaden höchstens nur sich selber. Verzichten aber auchsie auf den Alkoholgenuß, so werden sie durch ihr Beispiel bald auch dieSchwachen der Mäßigen, für die der Alkoholgenuß eben am gefährlichstenist, zur Totalabstinenz führen. Schließlich sind ja die Freuden, welche ausdem Alkohol hervorgehen, nicht so groß und unersetzlich. Auch die Ab-stineuten haben Freude am Dasein, und in ihren Kreisen herrscht Frohsinnund Lust. Man kann nicht behaupten, daß die Frauen, die doch mehroder weniger Abstinenten sind, weniger vergnügt seien als die Männer,und im „Kaffeekränzlein" soll es zuweilen recht lebhaft zugehen. Wenn derAlkohol die Geselligkeit dadurch fördert, daß er die Schranken des Wohl-anstandes und der schuldigen Rücksicht niederreißt, daß er auch den Dumm-kopf nicht witzig, aber geschwätzig macht, so ist das doch gewiß kein Vorteil.
Auch zur Betäubung unserer Sorgen brauchen wir ihn nicht. Eingeistig gesunder Mensch wird seine Sorgen tragen und überwinden lernen.Nur der Feigling weicht den Lasten des Lebens aus. Und erscheint dannder Kummer nach verflogenem Rausch nicht doppelt schwer? RegelmäßigerWechsel von Arbeit und Ruhe ist für unsere Nerven die richtige Erholung.Der Schlaf ist der beste Neroenstärker. Jene Zeiten, wo selbst der Arztohne Alkohol glaubte, nicht auszukommen, sind vorbei. Die Rolle desAlkohols am Krankenbett ist ausgespielt. Warum sind wohl alle Irren-ärzte Abstinenten? Im Jahre 1890 wurden von einem Kreisgericht inZürich 97 Personen wegen Körperverletzung verurteilt. Die Vergehen ver-teilen sich auf: