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Lehr- und Lesebuch für das achte Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorlage der kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrat des Kantons St. Gallen
Entstehung
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381
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I 80 cm.

72 c

seht hier eine 80 cm lange Glasröhre, die oben luftdicht abge-schlossen ist. Sie hat einen Querschnitt von 1 cm 2 . Hier in diesemGlasfläschchen ist ein flüssiges Metall; es sieht aus wie lebendigesSilber und heisst Quecksilber. Es kommt in der Natur auch ge-diegen, das heisst rein, vor, häufiger aber in Verbin-dung mit andern Stoffen. Unser Glasfläschchen fasstgenau 100 cm 3 Quecksilber. Diese wiegen, wie ihrhier an der Wage ablesen könnt das Gewicht desFläschchens abgerechnet 1359 g. Wäre das Fläsch-chen mit Wasser gefüllt, so wisst ihr, würden diese100 cm 3 Wasser gerade 100 g schwer sein. Queck-silber ist also 1359 g: 100 g = 13,59 mal schwerer alsdie gleiche Menge Wasser. Diese Zahl heisst kurz:das spezifische Gewicht des Quecksilbers. Ich füllenun die Röhre ganz langsam mit Quecksilber undgiesse in eine Porzellanschale, 3 cm hoch, vorn näm-lichen Metall. Nun kehre ich die Röhre vorsichtigum, während ich die freie Öffnung durch den Daumenluftdicht abschlösse, bis dieselbe ganz unter Queck-silber steht. Wir beobachten hiebei die Quecksilber-säule. Sie sinkt. Wir messen ihre Höhe und findensie nur 72 cm hoch. Sonderbar! Ungefähr 8 cm der Röhre bleibenleer. Wir wiederholen den Versuch; dieselbe Erscheinung zeigtsich. Dass das Quecksilber nicht vollständig ausfliesst, ist unsklar; denn die Luft drückt ja einseitig auf das Quecksilber. Sievermag aber dasselbe nicht bis aus obere Ende der Röhre hinauf-zutreiben. Ihre Kraft ist wohl zu klein, ihr Druck eben geringerals das Gewicht der 80 cm hohen Quecksilbersäule. Jedesmal sinktdas Quecksilber gerade so tief, bis sein Eigengewicht in der Röhregleich ist dem Druck oder dem Gewicht der Luftsäule von gleichemQuerschnitt. Das Gewicht des Quecksilbers lässt sich leicht be-rechnen, 1 cm 3 wiegt rund 13,59 g. Die Röhre enthält aber 72 cm 3 ,also 72x13,5 g 972 g. Gleich gross ist der Luftdruck, alsoebenfalls 972 g. Auf jeden Quadratzentimeter unseres und allerKörper lastet also demnach ein Druck von ungefähr 1 kg. Wirfühlen ihn nicht, da er allseitig ist und sich gegenseitig auf-hebt. Diesen Druck der Luft pro Quadratzentimeter nennt man1 Atmosphäre. Wenn der Maschinenbauer von Atmosphären spricht,meint er stets den Druck von 1, 2, 3 etc. kg auf jeden Quadrat-zentimeter des Kolbens. Füllen wir eine recht hohe Barometer-

Fig. 1.