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das Sauerwerden der Getränke verhindern, so müssen wir sie luft-dicht abschliessen. Auch einem Licht, das sterben soll, entziehenwir die Luft. Dem Soldaten, der die Metallteile seines Gewehresnicht durch eine dünne Fettschicht vorn Sauerstoff der Luft ab-schliesst, zerfrisst er die Waffe und macht sie unbrauchbar.
2. Wir bringen in ein Koclifläschchen ein Gemisch von unge-fähr gleichen Teilen Braunstein und chlorsaurem Kali. Beide Stoffesind in jeder Apotheke sehr billig zukaufen. Durch einen Pfropfen,der von einer rechtwinklig gebogenen Glasröhre durchzogen ist,verschliessen wir die Öffnung. An die Glasröhre stülpen wir einenKautschukschlauch und führen denselben in ein Becken, das mitWasser gefüllt ist. Zwei Flaschen, die mit Wasser gefüllt sind,stehen auf dem Tisch. Wir verschliessen sie mit dem Handtellerund bringen sie umgekehrt ins Wasserbecken, wo sie ein Schülerfesthält. Nun erhitzen wir das Koclifläschchen mit der Spiritus-lampe. Nach kurzer Zeit steigen Blasen aus dem Schlauch insWasser. Ein glimmender Span wird vor die Schlauchöffnung ge-halten. Er brennt mit hellleuchtender Flamme. Die Luftblasensind Sauerstoff. Wir leiten denselben in die Flaschen. Da er imWasser nicht leicht löslich ist, verdrängt er es aus demselben. Nunsind sie gefüllt. In die erste Flasche bringen wir wiederholt denglimmenden Span, der jedesmal lichterloh aufflammt, ein Beweis,dass der Sauerstoff die Verbrennung nicht bloss ermöglicht, sondernauch unterhält. Er selber brennt nicht; er ist, wie wir sehen, farb-und geruchlos. Beim Verbrennen verbindet er sich mit den bren-nenden Körpern. Jede Verbrennung ist eine Sauerstoffverbindung.Eine Maus atmet im Sauerstoff anfangs leichter, als in der ge-wöhnlichen Luft, springt aber bald fieberhaft erregt herum undstirbt nach kurzer Zeit infolge des zu raschen Lebensprozesses.
In die zweite Flasche bringen wir ein Stück glimmende Kohle,die an einem Draht befestigt wird. Die Kohle sprüht lebhaft undstrahlt dabei ein blendend weisses Licht aus. Sie verbindet sichmit Sauerstoff. Das Verbrennungsprodukt heisst „Kohlensäure“.Wir weisen diese wichtige Säure auf einfachste Weise nach, indemwir Kalkwasser in die Flasche bringen und den Inhalt tüchtigschütteln. Die Flüssigkeit, die hell und klar war, wird milchig.Die Kohlensäure ist auch ein weiterer Bestandteil der atmo-sphärischen Luft, wo sie sich aber nur etwa zu 0,03—0,04% findet.Sie ist ein Verbrennungsprodukt, das bei jeder Verbrennung, Ver-wesung und Gärung entsteht. Wir atmen sie mit jedem Atemzug