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Lehr- und Lesebuch für das achte Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorlage der kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrat des Kantons St. Gallen
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nützt das gut trockene Gabelzweiglein einer Rottanne. Das eineZweiglein wird mit einem Nagel an der Wand befestigt. Je nachdem Wassergehalt der Luft krümmt sich das als Zeiger dienendeZweiglein mehr oder weniger. Eine freigegebene Skala zeigtauf feuchte oder trockene Luft. Der gewöhnlichste Feuchtig-keitmesser jedoch ist das Haarhygrometer. Ein sorgfältig ent-ferntes Frauenhaar ist an seinem obern Ende befestigt. Das untereEnde führt um eine Rolle, deren Achse einen Zeiger trägt. Istdie Luft feucht, so verlängert sich das Haar; ist sie trocken, sozieht es sich zusammen. Entsprechend dreht sich auch der Zeiger.Die Grade an diesem Instrument geben uns die relative Feuchtig-keit, die in Prozenten den Anteil ausdrückt, bis zu welchem dievolle Sättigung für die jeweilige Temperatur erreicht ist. 50 °/ 0Feuchtigkeit sagt: Die Luft enthält genau die Hälfte des Wasser-dampfes, den sie nach ihrer Temperatur bis zur vollen Sättigungaufnehmen könnte. In bewohnten Räumen soll unser Hygrometernicht unter 40 °/ 0 sinken. Bei Ofenhitze sinkt die Feuchtigkeitmeist unter diese Grenze. Durch Aufstellen grosser Wassergefässeoder durch Aufhängen befeuchteter Tücher können wir Abhilfetreffen.

II. Vorn Wasser.

I. Kreislauf und Arbeit in der Natur.

1. Das Dunstmeer, das zwischen Himmel und Erde schwebt,fällt insbesondere als Regen oder Schnee zur Erde. Regenmesser,zweckmässig geformte Sammelgefässe, geben die Niederschlagsmengewährend genau 24 Stunden an und erteilen wertvolle Aufschlüsseüber die Witterungsverhältnisse eines Ortes. Der Regen, fastreines Wasser, sickert in die Erde, löst erdige Bestandteile auf,nimmt die Kohlensäure des Bodens auf und wird zum erfrischendenTrinkwasser. Auf den Höhen der Berge sammelt es sich in denriesigen Reservoiren der Firne und Gletscher, aus denen auch anden heissen Sommertagen genug Wasser in die Talschaften geführtwird, ohne dass es direkt den Wolken, die ja den Pflanzen denkraftspendenden Sonnenschein rauben, zu entfallen braucht. Jeschöner das Wetter, desto kräftiger schmilzt der Firnschnee undspeist durch Millionen Adern die Quellen der Flüsse und Strömemit dem Blut der Erde. Die Wasserläufe sind die Blutbahnendes Erdkörpers. In ihren obern Teilen leiten sie frisches Wasser