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Lehr- und Lesebuch für das achte Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorlage der kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrat des Kantons St. Gallen
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werfen wir zirka 10 Meter oherhalb der Arbeitsstelle desselben einStück Tannenholz hinein. Dieses durchschwimme die Bachstreckebis zum Aufschlag des Wassers in 5 Sekunden; folglich ist dieGeschwindigkeit 10 : 5 = 2 Meter. Wollen wir die Grösse einerArbeit messen, so brauchen wir hiefür einen Masstab. Die Längeder Schulbank messe ich mit dem Meter, weil der Meter die Ein-heit für das Längenmass ist. Suchen wir also auch nach einerEinheit zum Messen der Arbeit. Eduard, lieb diesen Stein erist ein Kilogramm schwer in jeder Sekunde, vorn Boden genaubis zur Höhe dieser Marke an der Wand, d. i. 1 m hoch. Jedes-mal verrichtest du so die Arbeit von 1 Meterkilogramm 1 mkg.Das ist nun unsere gesuchte Masseinheit. Hebst du 10 kg 1 inhoch, so ist das die Arbeit von 10 mkg. Um grössere Kräfte zumessen, nehmen wir auch eine grössere Einheit an, 75 mkg, undheissen diese Arbeitsleistung eine Pferdekraft, HP., PS. oderPferdestärke.

2. Die Grösse der Stosskraft des Wassers, die wir ganz un-heimlich spüren, wenn wir in den Bach stehen, wächst mit derMenge, also mit dem Gewicht des Wassers und der Geschwindig-keit. Ein fallender Stein schlägt um so tiefer in den Boden, jegrösser einerseits seine Geschwindigkeit oder seine Fallhöhe undanderseits das Gewicht ist. Wir sehen also, zwei Faktoren be-stimmen hier das Arbeitsvermögen: a) das Gewicht, b) die Fall-höhe. Genau so verhält es sich auch bei unserm Bach. Wir er-halten seine Arbeitskraft, indem wir das Gewicht der Wassermengebestimmen, die in der Sekunde bei 1 m Gefall direkt auf die Schaufelndes Rades aufschlägt. Wassermenge = 0,5 X 0,4X2 = 0,4m 3 = 400 dm 3 ;Gefäll 1 m; also: Stosskraft 400 XI 400 mkg oder 400 : 75 51/3 Pferdekräfte.

Würde die Wassermenge bei ihrem Ausfluss aus dem Kanalvor der Arbeitsleistung noch eine Strecke durchfallen, so hätte mandas Gewicht der Wassermenge, die in der Sekunde geliefert wird,noch mit der Fallhöhe in Metern ausgedrückt, oder dem Gefalle,zu vervielfachen. Unter Gefalle verstehen wir den senkrechtenUnterschied zwischen der Ausflussöffnung des Kanals und demAufschlag des Wassers auf die Schaufeln.

Wie gross ist die Arbeitskraft des Wassers in einem Kanalvon 2 m Breite, 0,5 m Wasserhöhe, wenn dasselbe 3 m hoch aufdie Wasserkraftmaschine fällt und in dem Kanal die Geschwindig-keit von einem Meter hat?