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Lehr- und Lesebuch für das achte Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorlage der kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrat des Kantons St. Gallen
Entstehung
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Strom und seine Entstehung etwas genauer. Das Wort Strom er-innert an etwas Fliessendes, an einen Wasserstrom. Tatsächlichkönnen wir den elektrischen Strom nicht zutreffender vergleichen.

2. Fast in allen grösseren Orten haben wir Wasserversorgungen.An einem hochgelegenen Ort wird das Wasser in einem mächtigenBehälter, dem Reservoir, gesammelt. Von hier aus fähren dickeRöhren zur Stadt hinab. Unzählige kleinere Röhren sind an dieHauptleitung angeschlossen. Diese endlich verzweigen sich wiederund fähren in die Küchen und Waschlokale eines jeden Hauses,wo einfach der Wasserhahn gedreht wird, und Trink- oder Haus-brauchwasser in bequemster Weise zur Verfügung steht.

Aus Erfahrung wissen wir, dass der Wasserstrom um sostärker, rascher Hiesst, je höher das Reservoir über dem Ausfluss-ort steht. Stellt sich dem Wasser ein Hindernis entgegen, wirdes im Fliessen gehemmt, so ist der Druck auf die Röhrenwandungengrösser. Dieser Druck des Wassers, der natürlich allseitig ist,heisst auch Spannung. Will derWendrohrftthrer am Hydranten-schlauch höhere Spannung haben, so nimmt er ein engeresKa-liber. Ein grösseres Hindernis, auch Widerstand genannt, stelltsich nun dem Strom entgegen. Ja, es kann der Widerstand sogross werden, dass der Schlauch platzt. Das ist der Fall, wenndie Spannung des Wasserstromes eben grösser als die Festigkeitder Schlauchwandung ist.

Noch eine dritte Grösse fällt bei dem Wasserstrom in Betracht:nämlich die ausfliessende Wassermenge. Sie wird bekanntlich inMinutenlitern gemessen.

Einen Widerstand findet der Strom auf seinem Weg immer;er reibt sich an den Wandungen der Röhre.

Und nun beim elektrischen Strom! Auch hier haben wir einReservoir, aus dem ein Strom Hiesst. Sagen wir, er sei elektrischesWasser. Die Kolilenplatte ist alsdann ein Kasten, der mit solchemgefüllt ist. Von diesem geht eine Röhre, der Leitungsdraht, nachder Zinkplatte auch ein Kasten. Er ist aber stets leer, daherdas ununterbrochene Strömen. Die Menge elektrisches Wasser, diein einer bestimmten Zeit durchfliesst, heisst Strommenge oder Strom-stärke.

Dieser Strom Hiesst ebenfalls mit einer bestimmten Druckkraftnach allen Seiten; sie heisst Spannung. Es ist nun leicht ein-zusehen, dass die Strommenge um so grösser ist, je grösser dasReservoir, die Elektrizität erzeugende Platte, und je weiter die