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Gottfried Seiler.
II.
1. Von Holz und Reisig eine hohe WandSeit langen Jahren um die Scheune stand;
Schon vieles macht Verwittrung unbrauchbar.
Doch jeder Herbst bringt neue Lasten dar.
2. Der letzte Winter brachte große Not,
Und manche arme Witwe, frierend, bot
Ihr armes Geld dem Mann für wenig Holz —
Er gab's nicht her in seinem Bauernstolz.
3. Nun flammt es aus in wildem Funkenflug
Mit Scheun' und Stall, Pferd, Wagen, Vieh und Pflug;Die armen Weiber stehn und schaun es anUnd wärmen lächelnd ihre Hände dran.
4. Dies Lächeln mag die bleichste Blume sein,
Die zieren wird des Mannes Totenschrein. —
Weh' dem, der solchen Blütenflor gesät,
Wenn einst die Saat in reifen Früchten steht!
III.
1. Von alter Zeit her war des Hauses WandVon wuchernd dichtem Efeu überspannt;
Den liebt der Bauer, sonst so liebeleer,
Weil er so gierig, alt und zäh wie er.
2. Nun brennt das dunkle Unkraut lichterlohUnd flackert in die Luft wie leichtes Stroh;
Wer glaubte, daß der alte, schwere Kranz
So lustig hielte seinen Totentanz?
3. Oho, was fliegt da Ungeziefer aus!
In ganzen Schwärmen flieht die Fledermaus;Kreuzspinnen, Käfer, was da kriechen mag,
Erlebt im Feuer seinen jüngsten Tag.
4. Was von Gespenstern und von Koboldsbrut,
Von alten Sünden auf dem Hause ruht,
Und was es sonst für Spuk und Sagen gab,
Brennt mit den dicken Efeuranken ab.
5. Was mag wohl schimmern dort? und seh' ich recht?Was löst sich aus dem brennenden Geflecht
Und poltert da zu meinen Füßen her?
Ein tüchtig Kruzifix, von Silber schwer!
6. Einst riß der Ahn, es sind dreihundert Jahr',
Das Kreuz als Bilderstürmer vom Altar;
Es blieb inr grünen Rankenwerk versteckt,
Nun endlich hat's das Feuer aufgedeckt.
7. Zwar munkelt man, daß in verschloßner BrustDie Enkel jederzeit davon gewußt;
Sie hätten's nächtlich auf den Tisch gesetztUnd sich an dem Geflunker oft ergötzt.