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Band I.
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in einigen Gebirgsgegenden früh zum Kaffee Kartoffeln, zu MittagKartoffeln und zum Abendbrot wiederum Kartoffeln.

Die wilde Kartoffel ist giftig, wie der schwarze Nachtschatten;das Kraut ist übelriechend; selbst das Tier frisst es ungern; nurder Raupe des Totenkopfschmetterlings mundet es. Die weissen 5Blüten haben keinen Geruch, und die grünen Beeren sind vollendsein ungenießbares Gericht. Von der wilden Kartoffel sind auch dieKnollen nicht viel nütze; sie sind klein, wässerig und bitter vonGeschmack.

Der Kartoffel ergeht’s wie einem Bettlerkinde. Bleibt sie in den 10schlechten Verhältnissen, in denen sie aufgewachsen, so wird nichtsGutes daraus. Soll sie besser werden, muss es ihr auch äusserlichbesser gehen; sonst verkommt sie. Erst als sich der Mensch deskümmerlichen Gewächses annahm und ihm das Leben leichter machte,erst dann ward etwas anderes, Geniessbares daraus. 15

Man setzte die Kartoffel in umgegrabenen, lockeren Boden,den man gut gedüngt hatte. Nun konnte sie nach allen Seiten hin raschWurzeln treiben und reichliche Nahrung anziehen. Man häufeltedie Erde rings um den Stock, damit die Pflanze vollauf Speise habeund mehr Knollen ansetze; man schaffte jede schlechte Gesellschaft, 20die sich etwa ansiedelte, das hässliche Unkraut, hinweg, damit esihr nicht schade — und siehe, gleich ging es besser mit ihr! Sieliess nun ihre Knollen faustdick und grösser wachsen und gab ihnengrösseren Mehlgehalt. Seit man ihr das Leben süss machte, liesssie alle Bitterkeit schwinden, ward selber auch süss. Wer möchte 25die Kartoffel heute noch tadeln, wenn sie lieblich duftend als leckeresMahl auf dem Tische dampft!

Im äusseren Ansehen weicht die Kartoffel wenig von ihrenVerwandten, den Nachtschattengewächsen, ab. Ihre ungleich ge-federten Blätter sind düster gefärbt, rauh und riechen nicht ange- 30nehm. Die fünfeckigen, weissen oder lilaroten Blüten mit den fünfgoldgelben Staubgefäßen und grünen Griffelspitzchen sind noch dasHübscheste an ihr. Die Kartoffel könnte ebensogut als Sinnbildder Bescheidenheit dienen, wie das Veilchen; sie hält ihre bestenEigenschaften verborgen, und niemand würde es dem Kraute an- 35sehen, was für Schätze darunter sind.

Wer könnte alle die Speisen aufzählen, die eine geschickteKöchin aus der Kartoffel bereiten kann! Als Suppe, Brei, Pudding,Pfannkuchen, gekocht, geschmort oder gebraten — lacht sie denHungrigen an; Stärke, Stärkegummi und Stärkezucker, ja selbst 40Branntwein und Spiritus werden aus ihr bereitet. Sogar mit der Palme,