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21. Die Amsel.
J3£§)ie Amsel ist vor allen Vögeln leicht zu erkennen; das Ge-fieder ist gleichmässig schwarz, und nur der Schnabel und der Randder Augenlider sind hochgelb.
Besonders gern wohnt sie in feuchten Waldungen; doch ist sie5 auch in grösseren Baumgruppen zu finden, die viel Unterholz haben.Gewöhnlich verweilt sie jahraus, jahrein in der Gegend, welche siesich zum Wohnorte ausgesucht hat.
Sie ist ein munterer Vogel; vorn frühen Morgen bis zumspäten Abend sieht man sie in fast ununterbrochener Bewegung.10 Auf dem Boden springt sie in grossen Sätzen gewandt umher. Be-merkt sie etwas Auffälliges, so schnellt sie den Schwanz nach obenund zuckt gleichzeitig mit den Flügeln nach unten. In den Zweigenhüpft sie ebenfalls rasch und sicher; besonders gewandt aber ist sieim Durchstiegen der dichtesten Gebüsche und weiss die behendesten15 Wendungen mit grosser Fertigkeit auszuführen. Grössere Entfer-nungen durchmisst sie, indem sie in langen Absätzen gleichsam überden Boden dahinschiesst und die Flügel dabei nur wenig bewegt.
Auch ein kluger Vogel ist sie. Dem Menschen traut sie nievollständig, so oft sie auch seiner Wohnung nahe kommt; aber sie20 unterscheidet recht wohl zwischen gefährlichen und ungefährlichenLeuten; sie lässt den Hirten näher an sich herankommen, als denJäger. Im Walde wird sie zur Warnerin, auf welche nicht blossihre Vettern, sondern auch andere Vögel, selbst Säugetiere achten.
Der Gesang der Amsel ist ein melodienreiches Lied; einzelne25 Strophen sind von ausgezeichneter Schönheit, einzelne Töne denender Nachtigall vollständig gleich. Das Lied selbst Hiesst feierlichdahin wie ein Kirchengesang. Es scheint, als ob sie sich bewusstwäre, wie vorzüglich ihr Gesang ist; denn so versteckt sie sich ge-wöhnlich hält, so frei zeigt sie sich, wenn sie ihr Lied beginnt. Sie30 wählt dann immer den Gipfel eines hohen Baumes oder einen Schorn-stein zu ihrem Sitze und schmettert von da herab ihre herrlichenKlänge.
Die Nahrung der Amseln besteht in Insekten, Schnecken undWürmern von allerlei Art, im Herbste und Winter in Beeren. Sie35 sucht ihre Beute grösstenteils vorn Boden auf und verweilt hierdeshalb täglich mehrere Stunden. Auch Erd- und Weinbeeren naschtsie gern.
Sie nistet in Dickichten, am liebsten auf jungen Nadelbäumen,immer niedrig über dem Boden, zuweilen selbst auf ihm; feine