24
alte Wohnung an. Es ist alles in guter Ordnung! Also wird zunächsteine allgemeine Reinigung und während der nächsten Tage die innereAusstattung vorgenommen; eine Matratze aus Haaren und Federn,Halmen und Wiirzelchen genügt. Die Stare sind nämlich genügsam,5 aber nur in der Wohnung.
Aufs Essen dagegen halten sie viel, sehr viel; darum ist auchdie Jagd ihr Hauptvergnügen. Plötzlich erheben sie sich; der Hungertreibt sie zur nahen Wiese. Ihr lautes „Stöar, stöar“, das sie ein-ander zurufen, dringt noch an unser Ohr. Ihr Frühstück wird aber10 recht mager ausfallen. — Das eine Mal haben sie es auf Regen-würmer und Maikäfer abgesehen; dann stellen sie Nacktschneckenund Heuschrecken nach, und wenn die Not an den Mann geht, sonehmen sie mit allem Essbaren vorlieb; die Stare sind keine Kost-verächter. Der Landmann weiss ihre Dienste aber auch zu schätzen15 und hängt ihnen deshalb überall Nistkästen auf. Dass sie Kirschengern mitlaufen lassen, ist weniger schön von ihnen, und fallen siegar im Herbste zu Tausenden in die Weinberge ein, um sich nichtbloss den Magen mit süssen Beeren zu füllen, sondern auch nochmöglichst viel zu verderben, dann kann man’s dem Weingärtner nicht20 übel nehmen, wenn er die übermütigen Burschen mit Pulver undBlei vertreibt.
Aber bis es Weinbeeren gibt, hat der Star manches durchzu-machen. Da wollen zunächst die Kinder grossgezogen sein. Stehtkein Nistkasten zur Verfügung, so tut’s eine Baumhöhle, zur Not25 eine Mauerspalte, sogar ein Plätzchen unter der Dachrinne. Baldliegen vier bis sieben bläulichgrüne Eier im Nest, die in etwa vier-zehn Tagen ausgebrütet werden. Den Jungen wird reichlich Futterzugetragen, und so wachsen sie rasch heran. Schon im Juni folgtdie zweite Brüt. Und nun tun sich Alte und Junge zu immer30 grösseren Scharen zusammen und schwirren und wirbeln umher.
Sitzt der Star in Gefangenschaft, so ist er nicht lange traurig.Bald kennt er seinen Herrn, und ist er erst heimisch geworden, sospielt er seine Schelmenrolle mit nie versagendem Erfolg. Er istder Affe unter den Vögeln und ahmt fast alle Tierstimmen nach: er35 miaut wie die Katze, quakt wie der Frosch und lernt ohne Zungen-lösung deutlich sprechen. Als Merkwürdigkeit verdient erwähnt zuwerden, dass eine Witwe in St. Gallen einen Star besass, der dasals Tischgebet täglich gehörte Unservater ganz deutlich und voll-ständig herzusagen verstand. Nach Dr. K. G. Lutz.