Band 
Band I.
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Wir lassen vorn Kahne aus ein Steinchen ins Wasser fallen; esschlägt deutliche Kingel, ehe es in beweglicher Zickzacklinie lang-sam sinkt. Welch ein Spiel von Farben es dabei erregt! Durchalle Schattierungen des Regenbogens läuft’s hindurch. Neugierig5 schiessen einige Forellen heran; einen fetten Bissen will jede zuersterschnappen; sie zanken sich förmlich um das Steinchen, bis siemerken, dass sie genarrt sind. Auch sie schillern im gleichenFarbenspiele. Enttäuscht wenden sie sich wieder der Tiefe zu, woein ganzer Schwärm der schön gezeichneten Schwimmer sich herum-10 tummelt; es sind kleine, edle Gebirgsforellen. Mitunter stattet ihnenein räuberischer, gefrässiger Fischotter seinen gefürchteten Be-such ab.

Der Kahn führt uns dem Waldrande entlang vorbei an kleinen,bemoosten Halbinseln und Inseln; sie sind mit Sträuchern und Heide-15 kraut bewachsen, und aus den Felsenritzen winken uns freundlichPrimeln, Zwergastern, Bergveilchen (Zyklamen) und Alpenrosen ent-gegen; die letzteren kommen hier bei genau 900 Meter Höhe schonziemlich allgemein vor. Um wunderlich geformte, ungeheuerlichaussehende Steinblöcke krallen sich die knorrigen Wurzeln hoher20 Tannen. Ein murmelndes Bächlein und mehrere Quellen, im Waldes-dickichte entsprungen, rieseln in den See. Sein Abfluss aber istunterirdisch, daher nicht sichtbar.

Wir nähern uns auf unserer Rundfahrt wieder dem Einsteige-platze, und der Fährmann macht uns noch auf zwei andere Erschei-25 nungen aufmerksam. Wenn nämlich im Sonnenschein die leiseste Be-wegung durch sanften Wind oder Ruderschlag über die Oberflächedes Seeleins hingeht, so spiegelt und schimmert und leuchtet diese,wie wir nun selbst sehen, in den Regenbogenfarben, aber immer mitvorherrschendem Blau. Und bei stillem Wetter und klarem Himmel30 entstünden, sagt der Mann, jeden Morgen beim Sonnenaufgange aufdem Seespiegel die Bilder aller Gegenstände um ihn herum: derBäume, des Pensionshauses, der hohen Felsenwände, und zwar nachFarbe, Genauigkeit und Schärfe so getreu, dass sie von den Gegen-ständen selber kaum zu unterscheiden wären.

35 Wir besteigen noch die kleine Anhöhe neben dem Pensionshauseund finden nun erst Zeit, auch' auf die weitere Umgebung einen Blick zuwerfen. Links und rechts türmen sich die beiden Talwände, jedekaum fünf Minuten von uns entfernt, riesig empor; aus Wäldernund Weiden, aber auch aus kahlen Felsenwänden bestehen sie; einige40 herniederflatternde, leuchtende Bänder sind Bergbäche, die zu Talstürzen und sich dann mit der rauschenden Kander vereinigen.