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Band I.
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Zermatt ist seit Jahrzehnten in aller Munde; aber es liegt hinterden Bergen verschanzt, wie Dornröschen hinter dem Hag. Selbst wennman schon in Visp ist, fährt man mit der Bergbahn noch fast einenNachmittag, bis man den Ort erreicht, wo das Hochgebirge alleszusammenfasst, was es an Kraft, an Ernst und Grösse besitzt. 5

Die Fahrt von Visp nach Zermatt ist unvergesslich schön. Zu-erst wundert man sich, wie es überhaupt möglich sei, dass die Bahnsechsunddreissig Kilometer tief ins Gebirge eindringe; denn gleichhinter Visp scheint es sich zu einer ununterbrochenen Mauer zuSchliessen. Allein der Zug findet den Weg durch die Engschlucht 10der Visp, die in gewaltigen Sprüngen über die Felsen hinunter-setzt. Aus ihren trüben Wogen stäubt schneekühler Hauch bis zuden Eisenbahnfenstern empor; sie rauschen ein wildes Lied vonden Bergen. Die Lokomotive klettert nach dem malerischenDörfchen Stalden, das wie ein Schwalbennest über den in blauen 15Duft getauchten Niederungen der Rhone schwebt. Eine schnee-weisse, zierliche Kirche, rebenumsponnene, dunkelbraune, niedrigeHäuschen aus Lärchenholz bilden den sonnigen Ort.

Jetzt lebe wohl, du Tal mit deinen Südfrüchten! Lebt wohl,ihr weitschattigen Nussbäume, ihr spinnenden Reben! Tief im 20Hintergrund der Gebirgsspalte leuchten über schwarzen Waldwändenin duftigem Schimmer die Firnkronen. Ihnen braust der Zug ent-gegen; bald spaziert er durch ebenen Talgrund; bald klettert eran einem Querriegel empor; immer aber bleibt er der treue Nach-bar der in Stromschnellen brüllenden, stäubenden Visp. Von Zeit 25zu Zeit grüsst der helle Pfiff ein dunkelbraunes Bergdorf, das sichin die Niederung duckt, und die weisse Kirche, die es überschaut.

Je tiefer im Gebirg, desto kleiner werden die Hütten, destoniedriger die Fenster. Und lichter wird von Dorf zu Dorf der Baum-wald, der es umgibt. Im einen hat die Jugend noch einen Herbst 30mit Apfeln und Birnen, im folgenden nur noch einen mit Kirschen,mit ganz kleinen, sehr saftigen Kirschen. Sie werden gepflückt,wenn draussen in der Ebene die Winzer mit Jauchzen die reifenTrauben schneiden. Die folgenden Dörfchen haben keine Kirsch-bäume mehr; aber in kleinen Ackern, die zwischen grossen Steinen 35an der Sonne liegen, schmeicheln sie der schwarzen Krume dieblassgoldenen Garben ab. Manchmal wird aber auch das Getreidenicht mehr reif; dann muss es noch halbgrün geschnitten und anHolzgerüsten getrocknet werden; doch bauen selbst die Zermatternoch ihr eigenes Brot. 40

Endlich sieht man zu beiden Seiten des Tales nur noch lichten,