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Der erste Schritt in die Fremde.
(Aus dem Roman: „Flut“.)
« n Stägen wohnte ein braver und fleissiger Zimmermann, ChristenEicher. Dieser wurde bei einem Baue von einem niederfallenden,schweren Balken erschlagen. Da nahm sich sein guter Nachbar undFreund, Benedikt Aaregger, der Witwe und der Waisen an und an-5 erbot sich, den jüngern Sohn, Hans, der auf Ostern admittiert werdensollte, an den See hinab in die Lehre zu begleiten zu des KnabenPaten, Elias Marti, dem Schnitzler.
Eines Morgens, als die Halme krähten, ging Benz mit Hans denSewiboden hinab, ein jeder ein Bündel auf dem Rücken, und im Wald-10 egg wischte sich die Marei, Hansens Mutter, die Augen hinter demFenster. Sie öffnete es nicht, damit dem zurückschallenden Bubendas junge Herz nicht noch schwerer werde.
Es war ein wunderschöner Maimorgen, und der Tag brach ebenan den Himmel. Der fahle Schein spiegelte sich in den Fenstern15 des Vaterhauses, als sich Hans zum letztenmal umwandte. Die Vogelsangen und schwatzten in die Morgenstille hinaus; um die Spitzender aus grauer Dämmerung ragenden Berge spielte ein matter, gol-diger Schein. Rotbesäumte Wölklein kamen aus dem Schimmer, derhinter der Jungfrau mählich und immer mehr den Himmel erhellte ;20 sie eilten dahin, als wären sie Boten, die dem Mond noch etwas aus-zurichten hätten. Der stand müde und blass im Westen über einembewaldeten Bergzuge, als ginge er, dort seine Ruhestatt nach der Nacht-wache aufzusuchen.
Aber Hans sah von all der Morgenpracht nichts; er blickte ernst25 auf den Weg vor den Füssen, und das Herz war ihm über die Massenschwer. So lange der Vater gelebt, hatte er sich diese Reise in dieWelt hinaus so schön und mutig ausgemalt, und nun war ihm, alsmüsse er von allem Abschied nehmen auf immer. Es tat ihm ordent-lich wohl, sich seine eigene Verlassenheit und die von Mutter und30 Geschwistern recht traurig auszumalen.
Aber als Benz auf der Wirtenenbrücke im Tal unten seinen Ruck-sack auspackte, Brot und Käse schnitt und die Milchflasche dazustellte, überredete der leichte Magen das schwere Herz, mitzutun,und über der leiblichen Stärkung versiegten die heimlichen Tränen,35 die sich ab und zu über seine Wangen gestohlen hatten.
Der Gletschbach wehte, einem riesigen Schleier gleich, im Morgen-licht zu Tal, und sein Rauschen drang zu Benz und Hans herübertrotz des Gurgelns und Gischtens der Wirtenen, welche hellgrün