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Band I.
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Wie ich hieher gekommen, wird wohl deine erste Frage sein.Auf die Einladung einer meiner Schülerinnen, der Lily Allen inSydney, die mich zu sich in die Ferien eingeladen hat. Sonst würdeich wohl das Innere Australiens nie zu sehen bekommen haben,da es für Touristen ein ganz unbereisbares Land ist, wie es mir 5meine Reise hieher zur Genüge gezeigt hat.

Die ersten 300 Meilen ging die Reise mit der Eisenbahn undhatte durchaus nichts Aufregendes an sich. Kaum war ich auf derletzten Station aus dem Coupe heraus, als ein junger Mann aufmich zukam und sich mir als Lilys Bruder vorstellte. Seine Schwester 10sei seit ihrer Rückkehr nicht sehr wohl gewesen, sonst wäre siemir selbst entgegengekommen, sagte er; aber so müsse ich mit ihmund einem Vetter, der auch da sei, vorlieb nehmen. So sprechend,führte er mich einer Gruppe zu, die aus einem jungen Mann unddrei ausserordentlich hübschen Reitpferden bestand. 15

Ich fing an zu begreifen, was mir bevorstand. Da war keinWagen, sondern ich musste zu Pferd die vielen Meilen zurücklegen,ich, die im Leben nie auf einem Pferde gesessen! Die Australierinnenreiten nämlich alle von Kindesbeinen an; es ist daher gar niemandeingefallen, dass ein erwachsenes, gesundes Frauenzimmer nicht 20reiten könne. Ich befand mich in einer verzweifelten Lage. Zurückkonnte ich nicht; hier bleiben wollte ich nicht; um aber vorwärts-zukommen, musste ich eines dieser Pferde besteigen. Was war dazu tun? Es muss einfach geritten werden, sagte ich mir; man sollkeine Gelegenheit haben, sich über eine Schweizerin lustig zu 25machen; am Ende wird man doch wohl in einem Sattel sitzenkönnen, ohne Reitstunden genommen zu haben, und wenn Willenskrafteinem dabei etwas helfen kann, so soll es daran nicht fehlen. Nochnie hatte ich mich so zusammengenommen, nie etwas so ernst gewollt.

Ohne ein Wort über meine Unkunde in der Reitkunst zu sagen, 30liess ich mich von Herrn Allen in den Sattel heben; die Herrensprangen nun auch auf ihre Pferde, und fort ging es. Nicht etwagaloppierend, glaube mir; meine Begleiter richteten sich natürlichnach mir, und ich hatte einen sehr guten Verwand, langsam zureiten, indem ich vorgab, das Städtchen etwas besehen zu wollen. 35Übrigens wurde bald in einem Hotel Halt gemacht, um zu speisen,und nachmittags war die Hitze so gross — über 35 0 Celsius —dass man der Pferde wegen langsam gehen musste. Nachdem icheinige Stunden im Sattel gesessen, fing ich an, mich etwas zurecht-zufinden und mein Pferd zu verstehen. Was der Mensch doch nicht 10alles tun kann, wenn er will oder, besser gesagt, muss!