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dafür hält man Grenzreiter, die alle paar Tage nachsehen, dass allesin Ordnung ist.
Nur zur Zeit der Schafschur geht es auf den Höfen hier leb-hafter zu; denn das ist die Erntezeit für den australischen Land-mann. Das Scheren wird von regelrechten Scherern besorgt, die in 5Banden das Land durchziehen. Auf einem Gute, wo eine halbeMillion Schafe gehalten werden, sah ich fünfzig Scherer in Tätig-keit nebst einer grossen Anzahl Handlanger und anderer Arbeiter, unddie Dampfmaschine summte den ganzen Tag. Stundenlang war ichin der Scheune, um dem Getriebe zuzusehen. Mit der Uhr in der 10Hand beobachtete ich die Scherer; der behendeste brauchte geradedrei Minuten und der langsamste fünf und eine halbe Minute, umein Schaf zu scheren, nämlich mit Hülfe der Maschine. Für hundertSchafe bekommen sie 25 Franken; natürlich finden sie aber nichtdas ganze Jahr Arbeit. 15
Sind die Schafe geschoren, so treibt man sie in einen eingezäuntenHof, der ungefähr tausend Stück fasst. Ist er ganz voll, so lässtman die Schafe auf der andern Seite hinaus und rechnet so manchesMal tausend, als man den Hof voll hatte. Dass da immer ein halbesDutzend mehr oder weniger als tausend sein können, versteht sich 20von selbst. Kein Besitzer kann genau wissen, wie viele er hat; denndie Schafe kommen zur Welt, leben und sterben da draussen inder freien Natur unbemerkt von dem, dessen Eigentum sie sind.Wenn es aber monatelang nicht regnet, so verliert ein Grossgrund-besitzer mitunter in kurzer Zeit ganze Herden, sein ganzes Ver- 25mögen.
„Wasser“! ist überhaupt der grosse Notruf Australiens. DieserErdteil, fast so gross wie die Vereinigten Staaten von Nordamerika,hat überhaupt nur zwei bedeutende Flüsse, den Murray und denDarling, denen es sogar zuweilen passiert, dass sie fast austrocknen, 30und die vielen Seen, die du auf der Karte gezeichnet findest, sindmeist nur Salzwasser-Seen. Und der „Lake-Cowal“, wo meineFreundin Lilly Allen wohnt, hat allerdings ein Seebecken, fast sogross, wie der Bielersee; aber zum Trinken hat er weder für Men-schen noch für Vieh einen Tropfen Wasser. Er ist gerade sumpfig 35und nass genug, um ein Tummelplatz der Schlangen zu sein. Woman das Trinkwasser hernimmt? Für das Vieh gibt es grosse Re-servoirs (Wassersammler) auf verschiedenen Weiden, und für denHausgebrauch ist ein Ziehbrunnen da; aber das Wasser ist in dieserZeit so spärlich, dass man sich kaum zu schöpfen getraut. 40
Aus dem „Lake-Cowal“ bekommen die Leute oft Besuche,