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Schiff plötzlich anfing, sich zu bäumen, und so konnten wir unsdenn noch schleunigst dort hinein flüchten; aber alle die Männer,die gemütlich auf Deck auf und ab spazierten, konnten nichtsBesseres tun, als sich, wo sie waren, auf den Boden legen und dortliegen bleiben, bis das Ärgste vorbei war. Das grosse Schiff warder reine Spielball in den Händen des übelgelaunten Neptun; eskrachte beständig in allen Fugen, und ich war jeden Augenblickauf den Tod gefasst. Dass wir mit heiler Haut davongekommensind, ist ein Wunder; aber gerade darum ist es gewiss nicht zum Ver-wundern, dass man sich freut, wieder auf festem Erdboden zu sein.
Die meisten Passagiere hatten, wie ich, die Absicht gehabt,bis nach WEllington zu fahren; sie waren aber fast alle froh, hierin New-Plymouth, auf unserer ersten Station, den Dampfer mit derEisenbahn zu vertauschen. Auch ich hätte dieses gerne getan, waraber so elend und bin es jetzt noch, dass ich mich nicht getraue, indiesem Zustand weiter zu reisen. Ich muss also hier in einem kleinenDörfchen warten, bis ich mein Gleichgewicht wieder erlangt habe.
Wenn du wüsstest, wie heimwehkrank ich bin! Es ist zu jederZeit traurig genug, mutterseelenallein in einem fremden Orte zusein; aber wenn man dabei noch krank ist, da ist es erst rechttrostlos. Am Tage spaziere ich im Garten umher; da ist die Ein-samkeit noch erträglich; aber abends sitze ich stundenlang alleinund sehe im Geist euch alle zu Hause, wie ihr, gemütlich plaudernd,euch um die Lampe versammelt habt.
Gestern abend, wie ich in das Zimmer trat, um mein Tagebuchzu schreiben, bemerkte ich auf dem Tisch eine Photographie; ichgriff ohne besonderes Interesse darnach; aber wie erstaunte ich,als ich Bern erkannte, mein schönes, herrliches Bern! Dieser An-blick an diesem Ort und in diesem Moment war zuviel für mich;ich nahm die Feder zur Hand und schrieb unter die Photographiedie bekannten Zeilen:
« Könnt’ ich ausruhn in des Lebens Wandern,
Dich erwählt’ ich, schönes Bern,
Mir zum Ruheplatz vor allen andern ».
Und dann liess ich meinen Kopf auf den Arm sinken undweinte, bis ich keine Tränen mehr hatte. So einen rechten Anfallvon Schweizerheimweh oder, besser gesagt, von Bernerheimwehhatte ich und besass nicht die Kraft, dagegen anzukämpfen.
Lina Bögli.
1858.
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Schmid, Lesebuch I. 2. Aufl.
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