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111. Altalemannischer Götzendienst.
(Am Ende des 10. Jahrhunderts.)
(Aus „Ekkehard“.)
„Hast du des heiligen Mannes Spruch auch recht gesagt“?fragte ihn Hadumoth,
„Wie er ihn mich lehrte".
„Dann hat er dich nicht den rechten gelehrt. Er wird denSchatz selber heben. Vielleicht hat er ein Netz dorthin gelegt, wo 5die Sterne fielen“.
„Das glaub’ ich nicht“, sprach Audifax; „sein Antlitz ist mildund gut, und seine Lippen sprechen kein Falsch“.
Hadumoth sann nach; „vielleicht weiss er den rechten Spruchnicht“? 10
„Warum“?
„Weil er den rechten Gott nicht hat. Er hat den neuen Gott.
Die alten Götter waren auch stark. Aber ich weiss noch eine andere;die versteht sich auch auf Sprüche“.
„Wen“ ? — Hadumoth deutete hinüber, wo aus langgestrecktem 15Tannensaum ein dunkler Bergkegel steil aufstieg. „Die Waldfrau“!antwortete sie.
„Die Waldfrau“? sprach Audifax erschrocken. „Die, die dasgrosse Gewitter gemacht, wo die Schlossen so gross, wie Tauben-eier, ins Feld einschlugen, und die den Zentgrafen von Hilzingen 20gefressen hat, dass er nimmer heimkam“?
„Eben darum. Wir wollen sie fragen. Die Burg ist uns dochverschlossen und die Nacht kalt; es geht dem Morgen entgegen“.
Audifax erhob keinen Einwand mehr. Da gingen sie mitein-ander durchs dichte Gehölz nordwärts; es war ein dunkler Tannen- 25wald; sie kannten den Pfad. Niemand war des Weges. Nur einalter Fuchs stand lauernd auf einem Rain; aber er war vorn Er-scheinen der beiden Kinder so wenig befriedigt, als diese vonden schnell verflogenen Sternschnuppen. Darum zog er seinenSchweif ein und schlug sich seitwärts. 30
Sie waren eine Stunde weit gegangen; da standen sie vor demFels Hohenkrähen. Zwischen Bäumen versteckt stand ein steinernHaustein; sie hielten. „Der Hund wird Laut geben“! sprachHadumoth. Aber kein Hund rührte sich. Sie traten näher; dieTüre stand offen. 3&
„Die Waldfrau ist fort“! sprachen sie. Aber auf dem FelsHohenkrähen brannte ein verglimmend Feuerlein. Dunkle Gestaltenregten sich. Da schlichen die Kinder den Felspfad hinauf.