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Band I.
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129. Der Froschkönig.

(Aus den .Kinder- und Hausmärchen“.)

I n den alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat, lebte*ein König; dessen Töchter waren alle schön; aber die jüngstewar so schön, dass die Sonne selber, die doch so vieles gesehen hat*sich wunderte, so oft sie ihr ins Gesicht schien. Nahe bei dem5 Schlosse des Königs lag ein grosser, dunkler Wald, und in demWalde unter einer alten Linde war ein Brunnen; wenn nun der Tagsehr heiss war, so ging das Königskind hinaus in den Wald undsetzte sich an den Rand des kühlen Brunnens, und wenn sie Lange-weile hatte, so nahm sie eine goldene Kugel, warf sie in die Höhe10 und fing sie wieder, und das war ihr liebstes Spielwerk.

Nun trug es sich einmal zu, dass die goldene Kugel der Königs-tochter nicht in ihr Händchen fiel, das sie in die Höhe gehaltenhatte, sondern vorbei auf die Erde schlug und geradezu ins Wasserhineinrollte. Die Königstochter folgte ihr mit den Augen nach; aber15 die Kugel verschwand, und der Brunnen war tief, so tief, dass mankeinen Grund sah. Da fing sie an zu weinen und weinte immerlauter und konnte sich gar nicht trösten. Und wie sie so klagte,rief ihr jemand zu: „Was hast du vor, Königstochter? Du schreistja, dass sich ein Stein erbarmen möchte“. Sie sah sich um, woher20 die Stimme käme; da erblickte sie einen Frosch, der seinen dicken,hässlichen Kopf aus dem Wasser streckte. „Ach, du bist’s, alterWasserpatscher“, sagte sie; „ich weine über meine goldene Kugel,die mir in den Brunnen hinabgefallen ist“. — „Sei still und weinenicht“! antwortete der Frosch; „ich kann wohl Rat schaffen; aber25 was gibst du mir, wenn ich dein Spielwerk wieder heraufhole“? —„Was du haben willst, lieber Frosch“, sagte sie, „meine Kleider,meine Perlen und Edelsteine, auch noch die goldene Krone, die ichtrage“. Der Frosch antwortete: „Deine Kleider, deine Perlen undEdelsteine und deine goldene Krone, die mag ich nicht; aber wenn30 du mich lieb haben willst und ich soll dein Geselle und Spiel-kamerad sein, an deinem Tischlein neben dir sitzen, von deinemgoldenen Tellerlein essen, aus deinem Becherlein trinken, in deinemBettlein schlafen: wenn du mir das versprichst, so will ich hinunter-steigen und dir die goldene Kugel wieder heraufholen“. — „Ach35 ja“, sagte sie, „ich verspreche dir alles, was du willst, wenn du mirnur die Kugel wiederbringst“. Sie dachte aber: „Was der einfältigeFrosch schwätzt! Der sitzt im Wasser bei seinesgleichen und quakt;und kann keines Menschen Geselle sein“.