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Band I.
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264. Die Rebe und der Gärtner.

1. „Was tat ich dir"? hört' ich bekümmert fragenDie Rebe, die am niedern Stäbe weint',

„O Gärtner, daß du grausam, wie ein Feind,

So schmerzlich tiefe Wunden mir geschlagen?

2. Nun muß ich trauern in den goldnen Tagen,Wo Erd' und Himmel sich zum Fest vereint,

Und hab' es doch so treu mit dir gemeintUnd wollte dir die schönsten Trauben tragen".

3. Der Gärtner sprach: „Du mußt dich still bescheidenUnd auch im Schmerz vertrauen meiner Pflege;

Denn was zum Heil dir dient, weiß ich allein.

4. Ich mußte deinen üpp'gen Wuchs beschneiden,Damit in dir gedrängte Kraft sich regeUnd um so reicher mög' die Frucht gedeihn".

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Julius Stur m.1816—1896.

265. Eintracht.

Ein Vater schied von seinen Söhnen;

Doch eh' er schied, sucht' er durch ein SymbolZur Eintracht ihre Herzen zu gewöhnen.

„Ich scheide", sprach er; „Söhne, lebet wohll5 Iedoch zuvor zerbrecht mir diese Pfeile,

Gebunden, wie sie sind"! — In größter EileWill jeder den Befehl vollziehn;

Iedoch umsonst ist ihr Bemühn.

Der Vater löst hierauf das Band,

10 Gibt jedem einen Pfeil besonders in die Hand.„Zerbrecht mir den"! spricht er mit trüben Blicken,

Und schnell war jeder Pfeil in Stücken.

„Merkt, Söhne", rief er, „am zerbrochenen Geschoß:Die Eintracht nur macht stark und groß;

15 Die Zwietracht stürzet alles nieder.

Lebt wohl und liebet euch als Brüder"!

Gottlieb Aonraü Pfeffel.1736—180Y.