465
343. Peter in
1. Der Peter will nicht länger
bleiben;
Er will durchaus fort in die Welt.Dies Wagestück zu hintertreiben,
Der Mutter immer schwerer fällt.„Was willst du", spricht sie, „draußenmachen?
Du kennst ja fremde Menschen nicht;Dir nimmt vielleicht all deine SachenDer erste beste Bösewicht".
2. DerPeter lacht nur ihrerSorgen,Wenn er die Mutter weinen sieht,
Und wiederholt an jedem MorgenSein längst gefangnes Reiselied.
Er meint: „Die Frenide nur machtLeute;
Nicht in der Nähe wohnt das Glück".Drum sucht er's gleich recht in derWeite;
Doch kehrt er mit der Zeit zurück.
3. Zu Hülfe ruft man alle Basen; :Jedwede gibt dazu ihr Wort;
Doch Peter läßt mit sich nicht spassen; jDer Tvllkopf will nun einmal fort. ;Da sprach die Mutter voller Kummer:„So sieh doch nur den Vater an!Der reiste nie und ist nicht dummer, ,Als mancher weitgereiste Mann".
4. Doch Peter läßt sich nicht be-
wegen, .
So daß zuletzt der Vater spricht:„Nun gut! Ich wünsch' dir Glück undSegen; ;
Fort sollst du; doch nun säum' auch !
nicht"! !
Nun geht es an ein Einballieren !Vom Fuß hinauf bis an den Kopf; !Man wickelt, daß auch nichts kann !
frieren, i
Das dickste Band um seinen Zopf.
der Fremde.
5. Und endlich ist der Tag ge-
kommen ;
Gleich nach dem Essen geht er heut'.Voraus ist Abschied schon genommen,Und alles schwimmt in Traurigkeit.Die Eltern das Geleit ihm gebenBis auf das nächste Dorf hinaus,Und weil da ist ein Wirtshaus eben,Hält man noch einen Abschiedsschmaus.
6. Ein Fläschchen Wein wird vor-
genommen ;
Doch still wird Peter, mäuschenstill.Man trinkt aufglücklichWiederkommen,Und Peter seufzt: „Nun, wie Gottwill" !
Er muß die Augen manchmal reiben,Nimmt Abschied noch einmal recht schönUnd sagt, man soll' nur sitzen bleiben;Denn weiter lass' er keinen gehn.
7. Und endlich wankt er fort, der
Peter,
Obgleich es ihn beinahe reut.
Nach jeden hundert Schritten steht erUnd denkt: „Wie ist die Welt so weit" !Das Wetter will ihn auch nicht freuen;Es weht der Wind so rauh und kalt;Er glaubt: „Es kann noch heuteschneien,
Und schneit's nicht heut', so schneit'sdoch bald".
8. Jetzt schaut er bang zurück; jetzt
geht er
Und sinnt, wie weit er heut noch reift;Jetzt kommt ein Kreuzweg; ach, dasteht er,
Und niemand, der zurecht ihn weist I„Ach", seufzt er, „so was zu erleben,Gedacht' ich nicht! Daß Gott erbarm'!Hätt' ich der Mutter nachgegeben,So säß' ich jetzt noch weich und warm.
30
Schmid, Lesebuch I. 2. Aufl.