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138. Der April.
Hinaus, hinaus! Schon pfeift im Baum der Vogel und singtund ruft: „Ihr Kinder, kommt ins Freie!" Der Frühling wirftso lichte Strahlen her ins offene Fenster; schöne, warme Luftzieht weich und lockend durch die engen Gaffen. Da ruft derVater auch den Kindern zu: „Kommt, kommt ins Freie!" Ausdem Tor der Stadt strömt alt und jung; ein jeder will spazierenzu seinem Garten, will dort säen und pflanzen. Doch kaum sindsie im Felde, hui! da zieht es grau am Himmel auf; die Sonneduckt sich schnell hinter Wolken, und der böse Winter streckt, eh'man stch's versieht, die kalten Hände weit über Berg und Talund schüttet Schnee den Leuten ins Gesicht und gießet Regen aussie herab und heult in Sturm und Wind: es freut ihn, wie dieMenschen vor ihm laufen.
Da spricht die Sonne: „Nein, das wird zu toll!" und duldetlänger solchen Unfug nicht. Mit einem Ruck reißt sie die Wolkendurch und schmelzt den Schnee und trocknet schnell den Regen undlacht aufs neu den Menschen ins Gesicht. Ach, nur zu kurzeZeit! denn bald von neuem hebt sich der freche Bursch, der Winter,und schnaubt und schneit und tobt nach alter Art.
So kämpfen Lenz und Winter, Sonne und Dunkel; und-kann's wohl anders sein? — 's ist ja April! (Reinick.)
139. Frühlingsglaube.
1. Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
0 frischer Duft! o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muß sich alles, alles wenden.
2. Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.