Band 
Erster Teil.
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188
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184. Die Waise.

1. Der Frühling kam ins Dorf hinein,

Die Schwalbe pickt’ ans FensterleinUnd grüßte hier und grüßte dort:

Bin wieder hier, war lange fort!

Wie geht’s, ihr Kinder, wie schaut es ausIm stillen Stübchen, in Hof und Haus?

„Schön’ Dank, es stehet alles gutIn Gottes treuer Vaterhut.“

2. Als nun das Fenster sie erschaut,

Wo sie im letzten Jahr gebaut,

Da guckte sie hinein recht tiefUnd pickte grüßend an und rief;

Doch ach, es hört sie keiner mehr:

Das Stübchen ist verwaist und leer.

„0 wehe, was ist hier geschehn?

0 weh, welch schmerzlich Wiedersehn!“

3. Dort, wo vorn Berg das Büchlein rinnt,

Da steht betrübt des Bauers Kind:

Ach, Vater und Mutter sind nun fortUnd schlafen auf dem Friedhof dort,

Die schwarzen Männer holten sie abUnd legten sie in ein tiefes Grab.

Die Schwalbe sprach: „Bist nicht allein;

Ein andrer, Kind, wird bei dir sein!“

4. Wie manchem armen VögeleinSperrt Vater man und Mutter ein,

Und doch ist keinem Vogel bang:

Ein andrer gibt ihm Speis’ und Trank,

Ein andrer lehrt das Nest ihn baunUnd singen hell und Gott vertraun;

Drum hoff auf ihn und fasse Mut:

„Du stehst in seiner Vaterhut.“ (LöweDBtein.)