Band 
Dritter Teil.
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mehr; das Unglück brach in solchem Maße über die Herr-schaft herein, daß sie zuletzt nicht mehr imstande war, dertreuen Magd den Lohn zu geben. Aber Katharine dienteweiter — ohne Lohn. Ja, als die Eltern gestorben waren,und die Kinder verwaist und verlassen standen, da nahm dieschlichte Magd sich ihrer an und vertrat mehr als Mutter-stelle hei ihnen; denn sie erwarb als Tagelöhnerin erst, wassie zum Unterhalt für ihre Pfleglinge gebrauchte. In jenemHause, das einst Eigentum ihrer Herrschaft war, mietete siesich ein Stübchen, zog mit den Kindern hinein, des freiwilligenErzieheramtes fort und fort in Liebe und Treue waltend.

Da kam das Jahr 1870 und mit ihm der 6. August, andem die Schlacht an den Spicherer Höhen geschlagenwurde. Die Geschichte erzählt uns, wie schwer, wie blutigjener Tag war, wie unsere Soldaten Wunder von Tapferkeitund Heldenmut verrichteten — galt es ja, in heißem Ringenden Feind von den Grenzen Deutschlands zu weisen. WoMänner kämpfen und Wunden schlagen, da ist der FrauenAmt zu helfen und zu heilen. Katharine gab an diesem Tageden Frauen Deutschlands ein leuchtendes Beispiel. Auf demKopfe eine große Wasserbütte tragend, trat sie ohne Furchtin die Gefechtslinie, und während rings die Kugeln saustenund der Tod reiche Ernte hielt, stärkte sie die Kämpfendenund Iahte die verwundet am Boden Liegenden mit frischemTränke.

Ein Offizier bemerkte diese Samariterarbeit. Er sprengteauf die mutige Magd zu und rief warnend: „Weih, seht Ihrdenn nicht, wie gefahrvoll es hier ist, macht Euch fort, hierwird ja geschossen!“

Da richtete sich Katharine empor, — sie war sehr groß,eine Hünengestalt, und antwortete ruhig: „Das seh’ ich_ wohl, Herr Leutnant, aber ich hin ja kein Soldat und schießeauch nicht.“ Und ohne sich um die Kugeln zu kümmern,setzte sie ihr Werk fort, manchen Verwundeten auf ihrenstarken Armen aus dem Gefechte zu den Verbandplätzen