Band 
Dritter Teil.
Seite
50
JPEG-Download
 

50

mit den Waren die Jahrmärkte, und sie kamen nie mit leeremBeutel zurück.

Die andern Meister sahen freilich verächtlich auf den arm-seligen Marktfahrer herab; er aber dachte: „Besser demütig ge-gangen, als hochmütig gefahren. Wer eine Leiter hinauf will,muß bei der untersten Sprosse anfangen." Bei seiner zähen Aus-dauer mehrte sich von Jahr zu Jahr der bescheidene Wohlstand,und bald wurden Werkstatt und Wohnung zu klein. Er bezogein größeres, an der Hauptstraße der Stadt gelegenes Haus. Einetüchtige Arbeit, die er für den Landesherrn angefertigt hatte,erwarb ihm sofort eine größere Kundschaft, und er kam bei denübrigen Meistern zu Ansehen und Ruf. Jeder war fortan mitJonas kameradschaftlicher. Jeder schüttelte ihm beim Begegnenkräftiger die Hand und machte ihm Vorwürfe, daß er sich nie inihrer Gesellschaft, abends auf der Zunft oder bei dem und diesemGastwirt, sehen lasse.

Aber der einfache Jonas kümmerte sich wenig um diese äußernEhrungen und lebte schlicht und recht mit seiner Familie, die sichum einen Buben vermehrt hatte, nach wie vor, tätig in Werkstattund Laden, auf Messen und Märkten.

(Aus „Meister Jordan" b. H. Zschokke.)

29. Die Heumacher.

Wer den andern Schaden tun will, sagt Jesus Sirach, demkommt es wohl selber über sein Haupt. — Nicht weit voneinanderwohnten zwei Pächter. Der eine, rechter Hand, war ein emsigerMann, stand früh auf und ging spät zu Bette, und den Tag überlegte er die Hände auch nicht in den Schoß. Der Nachbar linkerHand aber ließ es an sich kommen und machte sich gern einenguten Tag, und da er beim Nichtstun es nicht so weit brachtewie der andere mit seinem Fleiße, war er voll Neid über ihnund sing bald diesen, bald jenen unnützen Handel mit ihm an.

Einstmals nun fiel zur Heuernte schlechtes Wetter ein. Esregnete Tag für Tag, und das Gras wuchs gewaltig in die Höhe;aber es konnte nicht abgehauen werden, und es war doch die höchste