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Regens und Sonnenscheins, des Wechsels der Jahreszeiten, damitdie Saat gedeihe und der Mensch behaglich lebe. Wenn die Tageam kürzesten, die Nächte am längsten wurden, die Natur erstorbenzu sein schien und Schauer des Todes durch die Welt gingen, dannbegann die heilige Zeit der langen Nächte, wie man die lichtarmeletzte Dezemberwoche nannte. Dann wanderte das oberste Götter-paar, Wodan und seine Gemahlin, durch das Land von Hof zuHof, um nachzusehen, ob die Menschen fleißig und fromm wären.Sie erschienen als arme Wanderer, und wenn sie sahen, daß Herr-schaft und Gesinde ihre Pflicht getan hatten, so hinterließen sieGeschenke, die unscheinbar aussahen, aber für den, welcher sie dank-bar annahm, in Kostbarkeiten sich verwandelten.
In dieser geheimnisvollen Zeit versammelten sich daher dieFamilienglieder im Stammhause; denn die Familie galt beiunsern Vorfahren für die heiligste Verbindung der Men-schen und stand unter der besondern Aufsicht des Gottes. Manahnte die Nähe des allwaltenden Wodan, erwartete voll froherZuversicht die Wiederkehr der Sonne und feierte die Gottheitdurch Schmaus und heiteres Familienleben. Da saßen die Gästean langen, hölzernen Tischen; Brüder, Schwestern, Schwäger,Enkel, Großeltern u. s. w., tranken süßes Honigbier (Met), aßenSchweinebraten, beschenkten sich, spielten oder erzählten sich dieEreignisse des verflossenen Jahres.
Obenan am Tische thronte auf dem erhöhten Sitze des Hoch-stuhles das Familienhaupt, ihm gegenüber auf ähnlichem Hoch-stuhle die Hausmutter, damit sie Tisch und Zimmer übersehenkonnten. Tannenzweige schmückten den Saal, Kienspäne und Fackelnleuchteten, und die Gäste verzehrten als Festspeise Apfel und Nüsse,erfreuten sich gegenseitig durch Geschenke und sangen dem segen-bringenden Sonnengotte zu Ehren fromme Lieder oder erzähltensich die Taten der Götter und Helden. Jenen Festschmuck wählteman mit gutem Bedacht, denn er sollte den Zweck des Festes ver-gegenwärtigen: die nahe Wiederkehr der Sonne und die Neu-belebung der Natur. Die Fackeln bedeuteten das Sonnenlicht,die Apfel und Nüsse die Unvergänglichkeit des Naturlebens; denn sie