Band 
Dritter Teil.
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Reichtum seines Wassers trinkt. Mutwillig eilt er von Fall zuFall, oder fließt eine Strecke ruhig durch das Graubündner Land,wo seine drei Arme, Vorder-, Mittel- und Hinterrhein, sich zumunauflöslichen Bunde vereinigen. Als wollte nun der Mensch desStromes Geduld prüfen, vertraut er ihm leichtere Kähne an; dennSchiffe möchte der Launige zertrümmern. Und siehe, die schonweinbegrenzten Ufer, unzählige Dörfer, bald am Flusse, bald aufdem nahen Gebirge gelegen, und fast ebensoviele Schlösser undBurgen, welche die fruchtbare Gegend beleben, freuen sich ihres Lieb-lings. Aber er bleibt nicht bei ihnen, sondern eilt weiter und stürztsich in den tiefgrünen Schoß des Bodensees. Die gesegnetenGaue, die diese Perle einfassen, die Obstbäume, die Weingärten,Getreidefelder, Wiesen und Waldungen und in weiter Ferne dieGraubündner-, Appenzeller- und Vorarlberger-Alpen mit ihrenschneebedeckten, himmelanstrebenden Häuptern sehen seit Jahrhunder-ten dem Bade des Rheines zu und grüßen scheidend, als habe er seinGrab in den Fluten gefunden. Aber seiner wartet eine glänzendereBahn. Der freie Alpensohn eilt dem Untersee zu und tritt, gebadetund geläutert, wieder als der liebe Rhein zum neuen Leben hervor.

2. Gestärkt durch das Bad im Bodensee, trägt nun derStrom leichte Schiffe auf seinem Rücken. Vor Schaffhausen preßter seine Wasserfülle in ein engeres Bett ein, um sich bald alsden Großen und Mächtigen anzukündigen. Geschäftig rüstet sichhier der Schiffer zur Rückfahrt oder zieht die aus langen Tannen-dielen zusammengenagelten kleinern Schiffe ans Land. Und wohl-begründet ist seine Besorgnis; denn schon vor der prächtigen Brückebei Schaffhausen wird das Bett des Stromes abschüssig, und seineFlut, je näher dem Sturze, desto reißender; unzählige, teils ver-borgene, teils hervorragende Klippen zerspalten die schäumendenWellen, bis sie an der mehr als zwanzig Meter hohen steilen Felsen-wand hinunterstürzen.

Hast du nur einmal dieses Wunder der Natur gesehen, nimmerentflieht es deiner Erinnerung; denn du siehst so Großes und Er-habenes, wie keine menschliche Zunge es auszusprechen imstandeist, keine Kunst es zu erreichen vermag. Hier weide dich an dem