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Antwerpen, nirgends so prächtige Spitzen wie in Brüssel. Esist begreiflich, daß die Bürger dieser Städte ihren Reichtum haupt-sächlich durch den Aufwand an kostbaren Kleidern und Teppichenzur Schau trugen, und sich allmählich ein ungeheurer Luxus in derTracht, überhaupt in der ganzen Lebensweise der Bürger entwickelte.
Wenn aber schon der Bürger einen solchen Aufwand machte,was für eine Pracht mußte erst am Hofe des Fürsten herrschen!Philipp der Gute trug bei einem Gastmahle ein Kleid, das aufvier Millionen Franken geschäht wurde. Karl der Kühne pflegteüber seiner Rüstung einen Mantel zu tragen, der mit Gold undDiamanten ganz besetzt war. Bei der Taufe seiner TochterMaria waren die Wände und der Fußboden der Kirche mit denkostbarsten Sammetdecken und Teppichen bedeckt. Karl der Kühnewollte aber, daß dieselbe Pracht, die ihn in seiner fürstlichenWohnung umgab, ihn auch auf seine Reisen und Feldzüge begleite.Darum schleppte er, wenn er in den Krieg zog, sein kostbaresGut mit sich. Da er von seiner Unbesiegbarkeit überzeugt war,hielt er es für unmöglich, daß all seine Herrlichkeit nach einerverlorenen Schlacht die Beute eines fremden Siegers werden könnte.
Es muß einer der denkwürdigsten Augenblicke in der großen Zeitder Burgunderkriege gewesen sein, als die siegestrunkenen Schwei-zer in die burgundische Wagenburg vor Grandson eindrangen,und die Schätze des reichsten Fürsten und des reichsten Landesvor ihren Augen lagen. Von dämonischer Gier ergriffen, stürztensich Bauern und Soldknechte auf die Kostbarkeiten, die sie nichtkannten und nicht zu schätzen wußten, während die Anführer undHauptleute mit gleicher Habgier aber klügerer Berechnung daswirklich Wertvolle beiseite zu schaffen trachteten. Als dannetwas spät der Befehl kam, daß keiner für sich ein Stück Beutebehalten dürfe, sondern alles zusammengetragen und den oberstenHauptleuten zur Verteilung überlassen werden müsse, da war schonwanches Stück von Hand zu Hand gewandert, und ist nie mehrzum Vorschein gekommen.
Doch war auch das, was für die Gesamtheit übrig blieb,von unermeßlichem Wert. Es kamen in den Besitz gemeiner Eid-