Band 
Fünfter Teil.
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31. Thomas John Barnardo, der Vater der verlassenen

Kinder.

In London war's, im östlichen Teile der großen Weltstadt,da, wo die bitterste Armut zu Hause ist. Dort hielt ein jungerStudent der Medizin, Barnardo war sein Name, an Sonntagenund an einigen Wochenabenden Schule für die armen, zerlumptenBuben der Nachbarschaft. Sein Schullokal war einfach genug.Er hatte einen alten Eselstall mieten können, hatte ihn weißenund reinigen lassen und eine Feuerstelle drin angebracht, undwenn im Winter ein warmes Feuer drin brannte, so war derRaum für die durchfrorenen Buben doch anziehender als diekalten, feuchten Straßen draußen.

Thomas Barnardo war in Irland geboren und wurde instreng protestantischen Grundsätzen auferzogen. Ein Herz voll Liebeund Mitleid bestimmte ihn, sein Leben der Mission in Chinazu widmen und zwar, ähnlich wie der edle Livingstone, als Arzt.Zu seiner Ausbildung war er in das große Spital im OstenLondons gekommen. Während einer Choleraepidemie hatte ersich für den Dienst der armen Kranken in der Stadt zur Ver-fügung gestellt, und so war er in manches Haus des Elends ge-kommen. Da hatte ihn namentlich das Los der armen Kinderergriffen, die da zu Hunderten körperlich und sittlich verwahrlostaufwuchsen. Um etwas für sie tun zu können, hatte er jene Abend-schule gegründet.

In sein „Schulzimmer" kam in einer bitterkalten Winternachtdes Jahres 1866 ein kleiner Gassenbube hereingeschlichen. Derarme Bursche besaß weder Hut, noch Hemd, noch Schuhe; wenigeärmliche Lumpen, von Schnüren zusammengehalten, waren seinganzer Schutz gegen Kälte und Wind. Zitternd drängte er sichzur warmen Feuerstelle heran. Als nach Schluß der Schule dieandern Buben das Zimmer verließen, zögerte er. „Bitte, laßtmich über Nacht hier beim Feuer bleiben", bat er. Das konnteBarnardo doch nicht erlauben. „Geh und lauf heim!" sagte er.„Bin nirgends daheim", war des Knaben Antwort. „Nirgends

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