Band 
Fünfter Teil.
Seite
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Karl Moor die Gesellschaftsordnung, wird Räuber und will dasverletzte Sittengesetz durch die Vernichtung der Frevler rächen.Gerade so, mit dem Ingrimm des zornigen Löwen, warf dann einJahrzehnt später das gequälte Volk in Frankreich sein Joch ab.Karl Moor bedeutet das mißhandelte Volk, das in der Ver-zweiflung zum Äußersten greift, und Schiller, der Anwalt desVolkes, geißelte Vorurteil, Eigennutz, Lüge, Gewalt, Laster derHohen, Gewaltigen. Er ist jedoch gerecht. Denn Karl Moorbüßt seine Frevel mit dem Tode, wie denn auch die extremen Revo-lutionäre der strafenden Gerechtigkeit anheimfallen sollten.

„Es kann ein recht großes Subjekt aus Schiller werden,"meinte der Herzog, dem der Erfolg seines Arztes und einstigen Zög-lings schmeichelte. Doch emsig waren Neider und Hasser an derArbeit, und es gelang, den Herzog gegen den Dichter einzunehmen.In Schillers Drama nennt der schlechteste der Räuber, nebenandern verwerflichen Äußerungen, Graubünden die Heimat derSpitzbuben. Die bedeutungslose Stelle wurde aufgebauscht. DerHerzog, schon vorher gereizt durch ein Gedicht, worin Schillerseine tyrannische Willkür rügte, geriet in höchsten Zorn. DenDichter zog es indessen unwiderstehlich nach Mannheim, womit ungeheurem Erfolg die „Räuber" aufgeführt wurden, wo erbegeistert aufgenommen ward, besonders vom Theaterdirektor Dal-berg, der versprach, alles für ihn zu tun. Wer möchte es demGeplagten verdenken, wenn er auch ohne Urlaub, trotz strengenVerbotes zum zweitenmal ging? Natürlich wurde der Ungehor-same in den verdienten Arrest gesteckt. Aber geradezu ungeheuer-lich war der Befehl des Herzogs, in Zukunft nichts Poetisches mehrzu veröffentlichen, und das Verbot, mit dem „Ausland", mitMannheim zu verkehren. Der Dichter sollte also seine innerstenLebensschätze vergraben, vergraben die herrlichen Geistesgaben,womit er bereits Tausende für Recht und Tugend begeistert hatte?„O nein!" schrie es in ihm, „das kann und will ich nicht. Lieberdas Leben lassen als die Poesie!" Aber dann? Wenn er seinemgöttlichen Beruf folgte? Ja dann war ihm das schaurige Schick-sal des Dichters und Musikers Schubart sicher, der wegen frei-