der Schule entlassen worden und muß sich jetzt für einen Lebens-beruf entscheiden. Da sie großes Talent für die Musik, insbe-sondere für das Klavierspiel, zeigt und auf diesem Gebiete nachAussage ihres Lehrers schon recht Tüchtiges leistet, hegt sie densehnlichsten Wunsch, später als Musiklehrerin ihr Brot verdienen zukönnen. Die bescheidene Witwenpension der Mutter gestattet jedochdie Auslagen für die Ausbildung nicht, und meine kleine Ersparnisist durch eine langwierige Krankheit meiner Tochter beinahe auf-gezehrt. Darum werden Sie ein Stipendiengesuch für meine Enkelinwohl nicht ungerechtfertigt finden. Ich kann Sie versichern, daßdie Unterstützung keiner Unwürdigen zugute käme; Marie würdeim Gegenteil ihren Stolz darein setzen, durch Fleiß und muster-haftes Betragen sich derselben wert zu zeigen.
Indem ich die verlangten Ausweispapiere beilege, sehe ich,hochgeehrte Herren, Ihrer gefälligen Verfügung ergebenst entgegenund zeichne hochachtungsvoll
Witwe Elise Heller, Weißnäherin,Bahnhofstraße.
Zofingen, den 20. Mai 1891. (Nach I. Blas«.'
83. Gesuch um Aufnahme eines Lehrlings.
Bern, den... .
Herrn Karl Zumsteg, Handelsmann, Marktgasse, Bern.
Geehrtester Herr!
Mein Sohn Emil hat große Lust, sich der Handlung zu widmen,und ich bin mit seiner Berufswahl einverstanden; nur wünscheich, daß er Gelegenheit finde, sich zu einem tüchtigen, einsichts-vollen Kaufmanne heranzubilden. Da ich aber kein Haus kenne,das diesem Zwecke mehr entspräche als das Ihrige, würde esmir zu großer Beruhigung und Freude gereichen, wenn Sie dieGüte hätten, meinen Sohn in die Lehre zu nehmen.
Emil ist fünfzehn Jahre alt, gesund und stark und an Einfach-heit gewöhnt. Er hat sämtliche Klassen der hiesigen Sekundärschule